ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006CHARISMA-Studie: Duale Plättchenhemmung nur nach individueller Abwägung

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CHARISMA-Studie: Duale Plättchenhemmung nur nach individueller Abwägung

Fath, Roland

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LNSLNS Kardiovaskuläre Risikopatienten profitieren nicht generell von einer doppelten Plättchenhemmung mit Acetylsalicylsäure (ASS) plus Clopidogrel. In der Sekundärprävention ist der duale Ansatz zweifellos die beste Behandlungsstrategie, wie die Daten der CHARISMA*-Studie bestätigen. Dagegen ist die doppelte Plättchenhemmung in der Primärprävention bei asymptomatischen Risikopatienten eher ungünstig.
An der CHARISMA-Studie nahmen weltweit 15 603 kardiovaskuläre Hochrisikopatienten im Alter ab 45 Jahren teil. 80 Prozent hatten bereits eine Komplikation, beispielsweise einen Myokardinfarkt, einen Schlaganfall oder eine pAVK. Die übrigen 20 Prozent hatten mehrere kardiovaskuläre Risikofaktoren, 80 Prozent Diabetes. Alle Studienteilnehmer erhielten im Durchschnitt 28 Monate lang niedrig dosiertes ASS (75 bis 162 mg/Tag) und jeweils die Hälfte zusätzlich 75 mg Clopidogrel oder Placebo.
Wie Studienleiter Dr. Deepak Bhatt (Cleveland/Ohio) bei der Jahrestagung des American College of Cardiology in Atlanta/Georgia berichtete, erlitten im Studienverlauf 7,3 Prozent der nur mit ASS behandelten Patienten einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall oder waren aus kardiovaskulären Gründen gestorben (kombinierter primärer Studienendpunkt).
Bei den Patienten der Kombigruppe war dieser Anteil mit 6,8 Prozent nur tendenziell niedriger (p = 0,22). Signifikant wurde der Unterschied, wenn der kombinierte Endpunkt zusätzlich um das Kriterium Hospitalisierung wegen eines ischämischen Ereignisses erweitert wurde. Die Häufigkeit dieses sekundären Endpunktes betrug 17,9 in der ASS- und 16,7 Prozent in der Kombi-Gruppe, eine Risikoreduktion um 7,7 Prozent (p = 0,04). Zurückzuführen war dies vor allem auf die Verringerung der Hospitalisierungsrate von 12,3 in der ASS- auf 11,1 Prozent in der Kombigruppe (p = 0,02). Ein deutlicher Trend zugunsten der Clopidogrel-Gruppe habe sich auch beim sekundären Endpunkt ischämischer Schlaganfall gezeigt, berichtete Prof. Werner Hacke (Heidelberg). Die Rate betrug 1,7 Prozent unter Clopidogrel plus ASS im Vergleich zu 2,1 Prozent unter ASS (p = 0,10).
Für die Praxis von großer Bedeutung ist die Unterscheidung der Ergebnisse nach Primär- und Sekundärprävention. Bei symptomatischen Patienten wurde durch zusätzliche Gabe von Clopidogrel der primäre kombinierte Endpunkt signifikant von 7,9 auf 6,9 Prozent gesenkt, eine relative Risikoreduktion um 12,5 Prozent (p = 0,046). In allen drei Gruppen von symptomatischen Patienten – ob mit Vorgeschichte einer zerebrovaskulären oder koronaren Erkrankung oder einer pAVK – seien die Ergebnisse homogen gewesen, betonte Hacke.
Bei Patienten mit multiplen Risikofaktoren, aber ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung traten dagegen in der Kombigruppe dem Trend nach mehr Ereignisse auf, und das Blutungsrisiko war höher. Die kardiovaskuläre Mortalität war sogar signifikant erhöht (64 versus 36 Ereignisse, p = 0,01).
Bei asymptomatischen KHK-Risiko-Patienten sollte eine doppelte Plättchenhemmung nicht gemacht werden, resümierte Hacke. Dagegen ist die Kombinationstherapie günstig für Patienten mit etablierter kardiovaskulärer Erkrankung.
Warum in der Gruppe der asymptomatischen Patienten die duale Plättchenhemmung ein Nachteil ist und sowohl mehr Blutungen als auch mehr Ereignisse aufgetreten sind, ist bisher unklar. Eine Erklärung könnte sein, dass 80 Prozent der Risikopatienten Diabetiker waren (im Vergleich zu
40 Prozent in der Gesamtgruppe) und diese anders reagieren als andere Risikopatienten, sagte Prof. Christian Hamm (Nauheim).
Roland Fath

Pressekonferenz: „CHARISMA-Studie, Late breaking Clinical Trials“ in Atlanta, aus Anlass der 55. Jahrestagung des American College of Cardiology, Veranstalter: Bristol-Myers Squibb, Sanofi-Aventis
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Grafik: Studiendesign

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