ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006Ernst Roemer †: Zuverlässiger Ratgeber der Ärzteschaft

VARIA: Personalien

Ernst Roemer †: Zuverlässiger Ratgeber der Ärzteschaft

Jachertz, Norbert

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Ernst Roemer Foto: privat
Ernst Roemer Foto: privat
Dem achtzigsten Geburtstag sah er mit einem gewissen Bangen entgegen. Am 7. Mai ist Ernst Roemer, der frühere Chefredakteur des Deutschen Ärzteblattes, in Lagnes gestorben, ein plötzlicher Tod, an seinem Lieblingsplatz, dem Sommerhaus in der Provence, im Arm seiner Frau. Am 9. Mai wäre er 80 geworden.
Roemer war lange Chefredakteur: von 1966 bis 1991, zuvor zeichnete er schon zwei Jahre verantwortlich für den Inhalt, als sein Vorgänger und Vorbild, J. F. Volrad Deneke, in den Bundestag gewählt wurde und die Redaktionsaufgaben ruhen ließ. Neben seinem Amt als Chefredakteur (seinerzeit noch „Hauptschriftleiter“ tituliert) leitete Roemer in Personalunion bis 1975 die Pressestelle der deutschen Ärzteschaft. Die Pressestelle arbeitete zu Roemers Zeiten noch für beide ärztlichen Spitzenorganisationen, Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, so wie das Ärzteblatt auch von beiden herausgegeben wurde und bis heute wird.
Roemer hat die Interessen der Ärzteschaft auf unnachahmliche Weise vertreten: kämpferisch und diplomatisch zugleich. Das Deutsche Ärzteblatt sah er als Kampfblatt für einen freiheitlichen Arztberuf. Roemer war ein überzeugter Vorkämpfer für den freiberuflichen Arzt. Zu seiner Zeit galt der auch für angestellte Ärzte als Berufsziel, wenn Roemer auch noch miterlebt hat, dass dieses Ziel langsam dahinschwand. Nach seiner Pensionierung (1991) hat Roemer noch einige Jahre den Bundesverband der Freien Berufe publizistisch unterstützt.
Die beiden Herausgeber-Organisationen des Deutschen Ärzteblattes konnten sich darauf verlassen, dass ihr Chefredakteur und Pressemann ihre Interessen fest in der Sache, aber liebenswürdig im Auftreten zu seinen eigenen machte. Präsidenten und Ersten Vorsitzenden – mit einigen war er persönlich befreundet – wurde er zudem ein zuverlässiger Ratgeber, zuverlässig auch deshalb, weil er ihnen zwar immer gewogen war, ihnen aber nicht nach dem Munde redete, sondern sie so sanft wie hartnäckig auf die Realitäten außerhalb der Ärzteschaft hinwies. Ernst Roemer war auch deshalb ein guter Ratgeber, weil er ein guter Menschenkenner war: skeptisch, analytisch, um die Grautöne des Charakters wissend. Seine Skepsis hinderte ihn aber keineswegs daran, das Leben lebenswert zu finden und fröhlich zu genießen.
Der Redaktion des Deutschen Ärzteblattes war Ernst Roemer ein liberaler Vorgesetzter. Seine Redakteure und Redakteurinnen konnten sich entfalten. Und sie respektierten ihn, denn bei aller Toleranz – er war unangefochten der Chef. Ideen waren willkommen und wurden oft auch umgesetzt. Roemer hat das Ärzteblatt journalistisch weiterentwickelt, ohne aber die wissenschaftliche Seite zu vernachlässigen. Die Einführung eines medizinisch-wissenschaftlichen Teils, der diesen Namen verdient, ist wesentlich auf ihn zurückzuführen. Auch die grafische Gestaltung hat er vorangetrieben.
Ernst Roemer, geboren am 9. Mai 1926 in Kaiserslautern, machte 1946 Abitur – mit 1,12, und das zu einer Zeit, als es noch keine Inflation der guten Noten gab. Studieren mochte er dennoch nicht, er war zu ungeduldig und aufmüpfig. Nach drei Semestern in Mainz zog es ihn endgültig zum Journalismus. Das Handwerk hat er bei der „Rheinpfalz“ gelernt. Nach dem Volontariat blieb er dort als Redakteur für Lokales (1949 bis 1954), es folgten Jahre als freier Journalist in Frankfurt am Main und Bonn. Dabei lernte er durch Deneke auch die damaligen „Ärztlichen Mitteilungen“ kennen, wurde dort 1959 Redakteur, 1962 Chef vom Dienst und schließlich Hauptschriftleiter. Roemer wurde verschiedentlich ausgezeichnet, so mit dem Ehrenzeichen der deutschen Ärzteschaft und dem Bundesverdienstkreuz am Bande.
Ernst Roemer liebte moderne Kunst, vor allem Malerei, und hatte ein Gespür für Entwicklungen und Künstler, in denen etwas steckte. So wurde aus ihm ein kenntnisreicher, erfolgreicher Sammler. Schon früh entdeckte er für sich so unterschiedliche Künstler wie Paul Wunderlich und Wolfgang Petrick. Seine große Wunderlich-Sammlung stiftete Roemer erst kürzlich einem diesem Künstler gewidmeten Museum, das in Eberswalde im Landkreis Barnim entsteht. In diesen Tagen ist dort Richtfest. Roemer, seine Frau, Hannelore E. Roemer-Hoffmann und ein Freundeskreis wollten dabei sein und mitfeiern. Nun wird Ernst Roemer am 23. Mai 2006 in Eberswalde beerdigt. Er war nicht kirchentreu, aber gläubig. R. I. P. NJ
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