ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2006zum US-Dollar: Am Krückstock

VARIA: Schlusspunkt

zum US-Dollar: Am Krückstock

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der kürzlich in den Ruhestand gegangene Oberhäuptling der Commerzbank Köln liebte es, Gäste mit plötzlichen kniffligen Fachfragen aus der Fassung zu bringen und sich dann ob deren Verlegenheit köstlich zu amüsieren. Bei unserem zweiten Treffen vor einigen Jahren, den Braten riechend, fragte ich den Bankchef: „Hören Sie mal, bevor Sie wieder ’ne intellektuelle Tretmine abfeuern, können Sie mir vielleicht sagen, wieso der Dollar Dollar heißt?“ Er wusste es nicht und hat mich seither nie mehr wieder getestet.
Erstaunlicherweise kann diese Frage nach der etymologischen Herkunft der doch bedeutendsten Währung der Welt kaum jemand beantworten, auch Leute vom Fach nicht. Dabei hat sich der Dollar sprachlich aus dem deutschen „Taler“ entwickelt, so einfach ist es manchmal, und auf das Naheliegende stößt der Suchende oft zuletzt oder nie.
Auf dem Weg zur Weltwährung Nummer eins hat der Greenback, wie die Amerikaner ihr Geld nennen, glanzvolle Zeiten erlebt. Im Moment scheint mir aber eher der Krückstock angesagt zu sein, die Valuta siecht mehr schlecht als recht dahin, besonders in Relation zum Euro ist die Eins-zu-eins-Parität längst dahin, die Marke von 1,30 Dollar je Euro ist nicht mehr weit.
Schon sind etliche Optimisten wieder auf den Plan getreten, jetzt wäre doch endlich die Zeit gekommen, „in den Dollar zu gehen“, und ich höre immer wieder von Anlageberatern, die ihren renditehungrigen Kunden raten, im Greenback ihr Heil zu suchen.
Blindes Vertrauen kann ziemlich nach hinten losgehen, das hat sich auch schon im Dezember letzten Jahres als Fehlurteil erwiesen, als besonders Anhänger der Chartanalyse verkündeten, bei Kursen von 1,1780 habe sich eine „obere Umkehrformation“ in Form einer „Schulter-Kopf-Schulter“ beim Währungspaar Euro/Dollar vollendet. Es kam dann doch anders, was letztlich nur belegt, dass Chartisten meist schief liegen und Löcher in den Schuhen haben, denn wer darauf gesetzt hätte, säße heute auf erklecklichen Verlusten.
Der Dollar wird vermutlich noch einige Zeit schwach bleiben und vor allem gegen den Euro weiter abwerten. Das hat klare fundamentale Gründe. Der frühere Notenbankchef, Alan Greenspan, initiierte durch das (unkontrollierte) Ausweiten der Geldmenge eine exorbitante Verschuldung, Präsident Bush häufte schon in seinen ersten Amtsjahren so viele Verbindlichkeiten an wie alle seine Vorgänger zusammen, und die US-Bürger nahmen sich das Verhalten ihrer Oberen zu Herzen und verhielten sich in ihrer Budgetplanung ebenso irrational; sie leben auf Pump wie Gott in Frankreich. Wie lange noch?
Die exzessive Unseriosität konnte nur so lange funktionieren,wie andere den Kopf hinhielten, will heißen, Dollaranleihen kauften. Vor allem die Asiaten haben die Faxen aber langsam dicke, und deswegen ist der Greenback als Geldanlage zu meiden. Dringend.
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