ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2006Psychische Störungen: Depressive bleiben häufig auf der Strecke

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Psychische Störungen: Depressive bleiben häufig auf der Strecke

Dtsch Arztebl 2006; 103(21): A-1450 / B-1237 / C-1188

Gibtner, Brigitte

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LNSLNS ann/Köllner benennen psychische Störungen als Epidemie des 21. Jahrhunderts und fragen nach der Qualität, Effektivität und Effizienz der Behandlung, die offenbar unzureichend ist. Zu Recht. Während sich die Gesellschaft und auch die somatische Medizin in einem atemberaubenden Tempo fortentwickeln, so beharrt die psychologische Medizin überwiegend in alten Riten. Dabei sind die Denk- und Erfahrungsansätze der Klassiker wie Freud, Janet u. a. keinesfalls zu verwerfen. Sie müssten nur voll ausgeschöpft und konsequent angewendet sowie durch zeitgemäße Anpassungen ergänzt und wirtschaftlicher gemacht werden. Ein erster Schritt wäre, den Entschluss des Betroffenen, sich mit der Störung auseinander setzen zu wollen, zu begrüßen und zu befördern.
Die unbedingt notwendige Empathie reicht in praxi noch nicht einmal dafür aus. Depressive vermögen den Kampf um eine wirksame Therapie nicht gut zu führen und bleiben häufig auf der Strecke. Ich kenne schwere Fälle, die u. a. mehrfach dem Psychiater vorgestellt worden sind und auch nach fünf Jahren weder eine medikamentöse noch eine therapeutische Behandlung erhalten haben. Auch berichten Patienten immer wieder, dass sie sich von Ärzten und Therapeuten nicht angenommen fühlten, vielmehr in ihnen ob ihrer Schmerzen und ihres Leids Versagens- und Schuldgefühle erzeugt worden sind, ohne dass ihnen ein Ausweg aufgezeigt worden wäre. Der Vorwurf trifft . . .
Brigitte Gibtner, Hanns-Eisler-Straße 2, 10409 Berlin
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