ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2006Wolfgang A. Mozart: Schönheitsfehler
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Weigel/Krauss kommen anhand der Betrachtung von Mozarts Schädel zu der Hypothese, ein chronisch subdurales Hämatom könnte in Verbindung mit dem Aderlass die finale Todesursache gewesen sein. Die Hypothese hat nur einen Schönheitsfehler, der in Salzburg von der Internationalen Stiftung Mozarteum aufbewahrte „Mozart-Schädel“ stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von Mozart. Zehn Jahre nach Mozarts Tod wurde sein Schädel bei einer routinemäßigen Leerung des Grabes angeblich durch den Totengräber Rothmayer gerettet. Erst 1842, also mehr als 40 Jahre später, wurde er von einem der Nachfolger des Totengräbers dem Kupferstecher Jakob Hyrtl übergeben, aus dessen Nachlass er 1868 an seinen Bruder, den berühmten Wiener Anatom Joseph Hyrtl, gelangte, welcher den Schädel mit Ludwig August Frankl untersuchte. Hyrtl vermachte den Schädel der Stadt Salzburg, wohin er erst 1902 gelangte. Bis 1940 war er in Mozarts Geburtshaus ausgestellt. 1989 gab die Internationale Stiftung Mozarteum ein Gutachten in Auftrag. Die Untersuchung arbeitete mit der Methode der Weichteilrekonstruktion des Gesichts und deren Vergleich mit Mozart-Bildern. Sie endete mit einem positiven Gutachten, welches allerdings von namhaften Anthropologen, Gerichtsmedizinern und Anatomen angezweifelt wurde. 1991 kam die überraschende Wende in dieser Angelegenheit, als das Manuskript der historischen Expertise von Frankl und Hyrtl auftauchte. Der von ihnen untersuchte Mozart-Schädel hatte sieben Zähne, während der in Salzburg aufbewahrte elf Zähne zählt. Die beiden Schädel können also nicht identisch sein. 2005 folgte eine DNA-Analyse. Als Vergleich dienten die Knochenfunde im Grab seines Vaters Leopold auf dem Sebastiansfriedhof in Salzburg. Das Ergebnis war negativ. Die Suche nach entsprechenden Funden seiner Schwester Nannerl auf dem Petersfriedhof zum Vergleich wurde nicht erlaubt. Der Salzburger Schädel stammt also mit hoher Sicherheit nicht von Mozart . . .
Dr. med. Rolf Klimm, Bach 2,
83093 Bad Endorf
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema