ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2006Geänderte Betriebswagenregelung: Ärzte besonders betroffen

VARIA: Wirtschaft

Geänderte Betriebswagenregelung: Ärzte besonders betroffen

Iser, Christoph

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Da Ärzte ihren Betriebswagen in der Regel zu weniger als 50 Prozent betrieblich nutzen, ist die 1-Prozent-Regelung nicht mehr anwendbar. Foto: vario-press
Da Ärzte ihren Betriebswagen in der Regel zu weniger als 50 Prozent betrieblich nutzen, ist die 1-Prozent-Regelung nicht mehr anwendbar. Foto: vario-press
Wieder einmal ist die private Nutzung des Betriebswagens ins Fadenkreuz des Fiskus geraten. Insbesondere Freiberufler sind von der Regelung betroffen.

Hat der Arzt ein Fahrzeug in seinem Betriebsvermögen, so konnte er bisher wählen, ob die gewinnerhöhend anzusetzende private Nutzung durch ein Fahrtenbuch oder die pauschale 1-Prozent-Regelung ermittelt wurde. Gerade niedergelassene Ärzte dürften mehrheitlich die pauschale Methode bevorzugt haben. Einerseits konnte so das arbeitsintensive und umständlich anzufertigende Fahrtenbuch umgangen werden, andererseits nutzen niedergelassene Ärzte den Betriebswagen im Vergleich zu anderen Unternehmern eher wenig, was dazu führt, dass die pauschale Methode meist die günstigere war.
Bereits mit Beschluss vom 20. Dezember 2005 hat die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, wonach die 1-Prozent-Regelung nur noch für Fahrzeuge angewendet werden darf, die zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt werden, also dem so genannten notwendigen Betriebsvermögen angehören. Da Autos, die zu weniger als zehn Prozent betrieblich genutzt werden, automatisch Privatvermögen sind, stellt sich die Frage, wie denn bei Betriebswagen des gewillkürten Betriebsvermögens, bei denen die betriebliche Nutzung zwischen zehn und 50 Prozent liegt, die private Mitnutzung zu bewerten ist.
Aus der Begründung des Gesetzentwurfes ist zu entnehmen, dass die private Nutzung vom Unternehmer zu schätzen und glaubhaft zu machen ist. Die Führung eines Fahrtenbuches soll dazu jedoch nicht zwingend erforderlich sein. Wie dies allerdings dann in der Praxis zu geschehen hat, verrät der Gesetzentwurf nicht.
Zu einem weiteren Problem schweigt sich der Gesetzentwurf sogar völlig aus: nämlich auf welche Art und Weise überhaupt ermittelt werden soll, dass der Wagen zu mehr oder weniger als 50 Prozent betrieblich genutzt wird. Sofern der Unternehmer in den letzten Jahren regelmäßig von der 1-Prozent-Regelung Gebrauch gemacht hat, wird es im Einzelfall schwerlich festzustellen sein, ob das Fahrzeug zu 45 Prozent oder zu 55 Prozent betrieblich genutzt wird.
Da der Gesetzentwurf erst Ende März im Bundestag verabschiedet wurde, liegt vonseiten des Finanzministeriums noch kein Anwendungsschreiben vor, obwohl die Anwendung rückwirkend zum 1. Januar 2006 vorgesehen ist. Der Bürger wird mit der Problematik allein gelassen. Für den Einzelnen empfiehlt sich daher generell Folgendes:
Wer klar und eindeutig von einer betrieblichen Nutzung des Betriebswagens von mehr als 50 Prozent ausgehen kann, ist von der Regelung nicht betroffen. Die 1-Prozent-Regelung kann auch weiterhin angewendet werden, wobei zu bedenken ist, dass es sich in diesem Fall wahrscheinlich um die ungünstigere Methode handelt. Je weiter man sich von der vollständigen betrieblichen Nutzung des Kraftfahrzeugs entfernt, desto höher wird das Risiko, dass das Finanzamt die im Einzelfall fiskalisch vorteilhaftere Lösung anstrebt. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte bis auf weiteres zumindest eine Art vereinfachtes Fahrtenbuch führen. Der Kilometerstand und die Anzahl der betrieblichen Fahrten ist hierzu zu notieren, damit die mehr als 50-prozentige berufliche Nutzung dargelegt wird und die 1-Prozent-Regelung (sofern gewünscht) fortgeführt werden kann.
Zwei Alternativen, die beide kaum akzeptabel sind
Besonders betroffen sind indes die niedergelassenen Ärzte, weil es ihnen in der Regel nicht gelingen wird, den Betriebswagen zu mehr als
50 Prozent betrieblich zu nutzen: Die Haupttätigkeit wird nun einmal in der Praxis absolviert. De facto bleiben dem freiberuflich tätigen Arzt daher nur zwei Möglichkeiten:
- Er kann das Fahrzeug im Betriebsvermögen belassen. Die 1-Prozent-Regelung ist jedoch wegen der Gesetzesänderung nicht mehr möglich. Damit das Finanzamt nicht später einen überhöhten Privatanteil unterstellen kann, ist zu befürworten, in diesen Fällen ebenso eine Aufzeichnung anzufertigen, aus der sich der tatsächliche Privatanteil ermitteln lässt.
- Alternativ kann der Betriebswagen auch aus dem Betriebsvermögen gewinnerhöhend entnommen werden und zum reinen Privatfahrzeug umdeklariert werden. Die tatsächlich noch getätigten betrieblichen Fahrten (beispielsweise zu Hausbesuchen, Kongressen oder Fortbildungsveranstaltungen) können dann anhand einer anzufertigenden Aufstellung mit 0,30 Euro je gefahrenen Kilometer als Betriebsausgabe gewinnmindernd Berücksichtigung finden.
Bezogen auf den Verwaltungsaufwand, sind beide Möglichkeiten kaum akzeptabel, weil bürokratische und arbeitsintensive Aufstellungen zu fertigen sind. Welche Vorgehensweise im Endeffekt die günstigere ist, kann pauschal nicht festgelegt werden, weil hier Abhängigkeiten zu den tatsächlich gefahrenen Kilometern und nicht zuletzt im Entnahmefall zum Zeitwert des Fahrzeuges bestehen.

Christoph Iser
E-Mail: Stb.Iser@Steuerempfehlung.de
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