ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2006Schlaganfall: Epidemiologische Daten aus Stroke Units

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Schlaganfall: Epidemiologische Daten aus Stroke Units

Stoschek, Jürgen

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Im Wettlauf gegen die Zeit: Mit 150 000 Neuerkrankungen ist der Hirninfarkt die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Foto: Boehringer Ingelheim
Im Wettlauf gegen die Zeit: Mit 150 000 Neuerkrankungen ist der Hirninfarkt die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Foto: Boehringer Ingelheim
Mehr als zwei Drittel der in Stroke Units behandelten Schlaganfallpatienten haben nach Untersuchungen der Neurologischen Universitätsklinik Duisburg-Essen ein hohes Rezidivrisiko und benötigen deshalb eine intensive prophylaktische Therapie. Das hat die SCALA-Studie (Systemic Risc Score evaluation in ischemic stroke patients) gezeigt, in die 852 Patienten aus 85 Stroke Units eingeschlossen wurden.
Danach haben 71 Prozent der Patienten auf Stroke Units einen erhöhten Blutdruck. Bei 41 Prozent waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei 26 Prozent ein Diabetes mellitus diagnostiziert worden. Eine symptomatische periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) wurde bei zehn Prozent festgestellt. Basis für die Studie war der von Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener (Universität Essen) entwickelte „Essen-Stroke-Risk-Score“ (ESRS).
Der ESRS berücksichtigt neun Faktoren, die zu Kennzahlen zusammengefasst werden; das sind: Alter, Rauchen, Hypertonie, früherer Herzinfarkt, Schlaganfall oder vorübergehender Ischämie-Anfall, eine PAVK sowie andere kardiovaskuläre Erkrankungen. Liegen drei oder mehr Risikofaktoren vor, gehört der Patient nach dem ESRS zur Hochrisikogruppe – das bedeute, dass sein Risiko, innerhalb der nächsten zwölf Monate einen weiteren Apoplex zu erleiden, besonders groß sei, berichtete Diener in Regensburg.
Unklar wäre bislang, wie viele Patienten tatsächlich zur Hochrisikogruppe gehören, erläuterte Diener. Hier habe die Studie etwas mehr Klarheit gebracht, wobei das besondere Augenmerk auf die PAVK gerichtet war. Die PAVK sei deshalb von Bedeutung, weil sie ebenso wie der Schlaganfall auf der Atherosklerose als Grunderkrankung beruht. In SCALA wurde daher bei allen Schlaganfallpatienten der Ankle-Brachial-Index (ABI) bestimmt: Ist der Blutdruck in den Knöchelarterien niedriger als in den Armarterien, ist dies nach Dieners Angaben ein verlässliches Zeichen für eine PAVK und ein Indikator für eine Atherosklerose im gesamten Gefäßsystem.
In der SCALA-Studie hatte jeder zweite Patient eine PAVK, die in den meisten Fällen allerdings symptomlos war. Nach Dieners Ansicht sollte bei jedem Schlaganfallpatienten das Risiko für ein weiteres Ereignis mit dem Essen-Stroke-Risk-Score in Kombination mit dem Ankle-Brachial-Index bestimmt werden. Patienten mit einem hohen oder sehr hohen Schlaganfallrisiko, die jedoch keine Herzerkrankung haben, sollten dann mit der Kombination Dipyridamol/ASS behandelt werden. Besteht gleichzeitig eine PAVK, empfiehlt Diener die Gabe von Clopidogrel.
Jürgen Stoschek

Pressegespräch „SCALA – Ergebnisse einer epidemiologischen Erhebung in deutschen Stroke Units“ anlässlich der 23. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin in Regensburg. Veranstalter: sanofi-aventis
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