ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2006Schlaganfall: Was die lebenlange Therapie kostet

AKTUELL: Akut

Schlaganfall: Was die lebenlange Therapie kostet

Dtsch Arztebl 2006; 103(21): A-1409 / B-1205 / C-1157

EB

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LNSLNS Die lebenslangen direkten Behandlungskosten pro Schlaganfallpatient in Deutschland belaufen sich durchschnittlich auf 43 129 Euro. Zu diesem Ergebnis gelangt das Erlanger Schlaganfall-Register, ein Projekt des Kompetenznetzes Schlaganfall, das jetzt in Stroke (2006; 37 [5]: 1179–83) veröffentlicht wurde. Nicht berücksichtigt bleiben bei der Studie die indirekten Kosten durch frühzeitige Erwerbsunfähigkeit oder unentgeltliche Pflege durch Angehörige. „Es sollte daher von weit höheren volkswirtschaftlichen Kosten ausgegangen werden“, betonte Priv.-Doz. Dr. med. Peter Kolominsky-Rabas, Leiter des Erlanger Schlaganfall-Registers. Die hohe sozioökonomische Bedeutung des Schlaganfalls ergibt sich zum einen aus seiner Häufigkeit – mehr als 150 000 Menschen erleiden jedes Jahr erstmals einen Schlaganfall –, zum anderen ist er die Hauptursache für lebenslange Behinderungen im Erwachsenenalter in Deutschland.

Grundlage der prospektiven Studie sind die repräsentativen Bevölkerungsdaten des Erlanger Schlaganfall-Registers. Das 1994 eingerichtete Register ist das einzige epidemiologische Schlaganfallregister ohne Altersbeschränkung in Deutschland. In ihm werden sämtliche diagnostizierten Schlaganfälle von stationär und ambulant behandelten Patienten in Erlangen erfasst. In der vorliegenden Studie wurden erstmalig die lebenslangen medizinischen Behandlungskosten des ersten ischämischen Schlaganfalls – des mit circa 85 Prozent häufigsten Typs – ermittelt und auf Deutschland hochgerechnet.
Dabei zeigte sich: Die Kosten pro Patient im ersten Jahr nach einem erstmals aufgetretenen Schlaganfall betragen 18 517 Euro. Davon entfallen 37 Prozent auf die Rehabilitation, wohingegen in den darauf folgenden vier Jahren mit 49 Prozent die ambulante Behandlung der Hauptkostenpunkt ist. Die lebenslangen direkten Behandlungskosten betragen durchschnittlich 43 129 Euro pro Patient mit ischämischem Schlaganfall. Für das Jahr 2004 beliefen sich demnach die medizinischen Kosten auf 7,1 Milliarden Euro. Dabei entfielen 40 Prozent auf die
ambulante Behandlung, 22 Prozent auf die stationäre Behandlung, 21 Prozent auf die Rehabilitation und 17 Prozent auf die Krankenpflege. „Die Ergebnisse unserer Studie soll den Politikern helfen, die Folgen ihrer Entscheidungen einzuschätzen und den Kosten- und Versorgungsbedarf langfristig planen zu können“, kommentiert Kolominsky-Rabas. EB
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