ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2006Arzneimittel: Die Preise fallen
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LNSLNS Verdrängungswettbewerb der Generika-Anbieter zeichnet sich ab.
Kaum hatten die Krankenkassen angekündigt, besonders preiswerte Arzneimittel könnten künftig von der Zuzahlung befreit sein, reagierte auch schon der Markt: Sandoz und Hexal, die beiden Generika-Ableger von Novartis, kündigten Preissenkungen von über 20 Prozent an. Hexal will bei allen Produkten die Preise nach unten anpassen, Sandoz bei 270 Präparaten. Ratiopharm überlegt, die Preise so weit zu drücken, dass sie unter die Zuzahlungsgrenze fallen. Stada prüft, bei einzelnen Produkten die Preise zu senken. So weit der Stand bei Redaktionsschluss.
Ursache für die Bewegung ist das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG). Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen hatte für die Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung am 19. Mai die ab 1. Juli geltenden Festbeträge nach den Kriterien des AVWG bekannt gegeben. Bei der Gelegenheit wurde die neue Möglichkeit genutzt, Arzneimittel der untersten Preisstufen von Zuzahlungen freizustellen. Betroffen sind fürs Erste 79 Festbetragsgruppen der Stufe 1 (Arzneimittel mit identischen Wirkstoffen). Eine Liste zuzahlungsfreier Arzneimittel soll unter www.gkv.info regelmäßig veröffentlicht werden.
Die umgehende Reaktion führender Generika-Anbieter lässt darauf schließen, dass die Unternehmen Bescheid wussten und ihre Preispolitik beizeiten überprüft haben. Erleichtert werden die Preissenkungen, weil die Naturalrabatte, die die Firmen bisher den Apotheken eingeräumt haben, entfallen. Doch dürften die eingesparten Rabatte die Preissenkungen nicht wettmachen. Der Verdrängungswettbewerb unter den Generikafirmen hat begonnen.
Die Kassen werden nun mit neuem Eifer das Spiel mit Arzneimitteln der Stufen 2 (vergleichbare Wirkstoffe) und 3 (therapeutisch vergleichbare Wirkung) fortsetzen. Damit wären indirekt auch solche patentgeschützten Originalpräparate betroffen, die in Konkurrenz zu vergleichbaren Generika stehen. Bereits heute gibt es Hersteller von Originalpräparaten, die mit Kassen Rabatte aushandeln, um preislich konkurrenzfähig zu bleiben. NJ
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