AKTUELL: Akut

Interessenkonflikte: US-Hochdruckliga unter Druck

Dtsch Arztebl 2006; 103(22): A-1489 / B-1273 / C-1225

Meyer, Rüdiger

Eine Diskussion über Interessenkonflikte ist am Rande der Jahrestagung der American Society of Hypertension ausgebrochen. Es ging um die Frage, ob Spenden von Arzneimittelherstellern die Empfehlungen der Gesellschaft beeinflussen. Die Firmen Merck, Novartis und Sankyo hatten 700 000 US-Dollar für eine Serie von „dinner lectures“ gespendet. Eine mögliche Auswirkung der Einflussnahme betrifft die Definition der Hypertonie, die über den Einsatz von Medikamenten entscheidet. Die US National Institutes of Health haben in den letzten Leitlinien (JNC 7) aus dem Jahr 2003 den Begriff der Prähypertonie eingeführt. Patienten mit einem Blutdruck von 120/80 bis 139/89 gelten danach bereits als gefährdet, an Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Spätfolgen der Hypertonie zu erkranken. Die JNC 7 sehen für Prähypertoniker zwar ausschließlich eine Änderung der Lebensweise vor. Innerhalb der American Society of Hypertension hat es jedoch Bestrebungen gegeben, diese als Stadium eins der Hypertonie zu klassifizieren, bei der eine medikamentöse Therapie indiziert ist.

Diese Bestrebungen werden durch eine kürzlich publizierte Studie unterstützt, nach der die Behandlung mit einem Medikament der teuersten Wirkstoffgruppe das Fortschreiten einer Prähypertonie verzögert (NEJM 2006; 354: 1685–97). Ein Teil der Hypertonologen betrachtet eine Ausweitung der Indikation für nicht evidenzbasiert und schied unter Protest aus dem Gremium aus. Die Kritik betrifft auch die finanziellen Interessenkonflikte der Hypertonologen. Von den sieben Autoren der neuen Therapie-Empfehlungen waren sechs als Berater für eine Pharmafirma tätig und/oder hatten für Reden auf Firmenveranstaltungen Honorare erhalten. Der siebte Autor war Berater und Aktienteilhaber einer Firma, die Diagnostika herstellt.

Der derzeitige Vorsitzende der American Society of Hypertension, Thomas Giles von der Universität von Louisiana in New Orleans, versprach, dass in Zukunft alle Einzelheiten über finanzielle Beziehungen offen gelegt werden sollen. Ein Reputationsverlust der Fachgesellschaft scheint aber kaum mehr abwendbar. Viele Verantwortliche werden sich in Zukunft die Frage stellen, ob es eine Notwendigkeit für einen privaten Verein von etwa 1 600 Mitgliedern gibt oder ob es nicht besser den staatlichen US National Institutes of Health überlassen bleiben sollte, Therapieempfehlungen auszusprechen. Rüdiger Meyer
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