ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2006Nachgefragt: Jens Thiel

POLITIK: Deutscher Ärztetag

Nachgefragt: Jens Thiel

Dtsch Arztebl 2006; 103(22): A-1496 / B-1278 / C-1230

Flintrop, Jens

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Dr. med. Jens Thiel, Ärztesprecher des Universitätsklinikums Freiburg, Gastredner des 109. Deutschen Ärztetags in Magdeburg
Dr. med. Jens Thiel, Ärztesprecher des Universitätsklinikums Freiburg, Gastredner des 109. Deutschen Ärztetags in Magdeburg
DÄ: Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) will den Ärzten den Ver.di-Tarifvertrag überstülpen. Wie haben die streikenden Ärzte an der Freiburger Uniklinik auf diese überraschende Wende im Tarifkonflikt reagiert?
Thiel: Wir waren stinksauer! Bisher waren wir zwar nicht sicher, ob der Abschluss inhaltlich gut wird. Aber dass wir endlich einen arztspezifischen Tarifvertrag bekommen, stand nicht zur Disposition. Herr Möllring ist zu weit gegangen.

DÄ: Wie wirkt sich diese Entwicklung auf die Streikaktivitäten aus?
Thiel: Dass die TdL plötzlich an der Tariffähigkeit des Marburger Bundes zweifelt, ist ein wahnsinniger Motivationsschub für alle streikenden Ärzte. Wir wissen jetzt klarer denn je, wofür wir kämpfen...

DÄ: ... und das wäre genau...
Thiel: Wir brauchen einen eigenen Tarifvertrag. Das ist das Wichtigste. Und falls der erste eigenständige Ärztetarifvertrag nicht direkt alle unsere Forderungen enthält, dann muss man halt Jahr für Jahr nachverhandeln.

DÄ: Die Streikbereitschaft ist demnach ungebrochen?
Thiel: Jeder Einzelne von uns würde zwar lieber heute als morgen wieder voll arbeiten, aber wir halten durch. Keine Frage. Auch wenn die finanziellen Einbußen für so manchen Kollegen inzwischen enorm sind.

DÄ: Können Sie diese finanziellen Einbußen quantifizieren?
Thiele: Bei uns in Freiburg werden die Fehlstunden der streikenden Ärzte knallhart vom Gehalt abgezogen. Das summiert sich bei einigen Kollegen auf ein Minus von bis zu 1 000 Euro monatlich – und das bei einem monatlichen Nettogehalt von teilweise gerade einmal 1 600 Euro.

DÄ: Kann der Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber noch erhöht werden?
Thiel: Ja. Ich hoffe, dass sich die Ärztinnen und Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern bald an den Streiks beteiligen. Derzeit tragen wir Uniklinikärzte die Hauptlast eines Arbeitskampfes, von dem auch die Kollegen an den kommunalen Häusern profitieren werden. Um den öffentlichen Druck auf das System insgesamt zu erhöhen, sollten wir die Auseinandersetzung mit der TdL und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeber schnellstmöglich zusammenführen.

DÄ-Fragen: Jens Flintrop
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