POLITIK: Deutscher Ärztetag

Zu Gast bei Freunden

Merten, Martina

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Aus zahlreichen Ländern waren die 22 internationalen Gäste des 109. Deutschen Ärztetages nach Magdeburg gereist. Sie alle teilten insbesondere das Interesse an der Diskussion der Delegierten über die seit Wochen andauernden Streiks deutscher Ärzte. „Ich habe bei uns in Zagreb in einer deutschen Zeitschrift ein Foto gesehen, das zeigt, wie Ärzte in weißen Kitteln in die Isar laufen“, sagt Dr. Drazen Borcic aus Kroatien. Mehr über die Hintergründe der Streikaktionen zu erfahren war für den Präsidenten der dortigen Ärztekammer ausschlaggebend für den Besuch des Deutschen Ärztetages. Schließlich hätten vor einigen Jahren auch seine Landsleute wegen niedriger Gehälter gestreikt – ein ganzes Jahr lang. „Letztlich blieb der Streik aber leider ergebnislos“, räumt der pensionierte Infektiologe ein.
Die anhaltenden Streiks in Deutschland haben Dr. Ragnar Gunnarsson desillusioniert. Der Isländer hat in Lübeck studiert und arbeitete danach bis 1999 in einer Allgemeinarztpraxis in der Nähe von Hamburg. Das deutsche Gesundheitswesen, sagt der Allgemeinarzt und Diabetologe aus Rejkjavik, sei für ihn immer ein Vorbild gewesen. „Aber die Stimmung in Deutschland hat sich seit 1999 verschlechtert“, meint der Vizepräsident der isländischen Ärztekammer. Den Kollegen in Island gehe es inzwischen weitaus besser, erst gerade habe die Regierung eine Gehaltserhöhung für die 1 500 Ärzte beschlossen. Zurück in seiner Heimat, wird er seiner Ärztekammer berichten, was er über die deutschen Streiks gehört hat. Darüber, „dass es kein Licht am Ende des Tunnels gibt“, sagt Gunnarsson.
Mazedonien ist mit seinen nur zwei Millionen Einwohnern zwar um ein Vielfaches kleiner als Deutschland. Die Probleme, mit denen das deutsche Gesundheitswesen derzeit zu kämpfen hat, seien denen seines Vaterlandes aber sehr ähnlich, erklärt Prof. Dr. Ilija Dzonov. Der Wirtschaft fehle der konjunkturelle Aufschwung, dem Gesundheitswesen Geld. Wie Gunnarsson kennt Dzonov Deutschland gut, denn auch er hat hier studiert und gearbeitet.
Die internationalen Gäste schätzen es sehr, ihre in Deutschland gewonnenen Eindrücke miteinander zu diskutieren – unter anderem bei einem Abendessen mit dem Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. med Jörg-Dietrich Hoppe. Doch auch wenn sich die 22 internationalen Besucher in Magdeburg „zu Gast bei Freunden“ fühlen, freuen sie sich nach einer Woche wieder auf ihr Zuhause. „Ich bin zwar gerne in Deutschland und der Welt unterwegs und lerne etwas über die dortigen Systeme“, sagt Dzonov. Er fahre aber auch immer wieder gerne zurück in seine Heimat – nach Mazedonien. Martina Merten
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema