ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2006Sterbehilfe: Zuwendung erfahren

POLITIK: Deutscher Ärztetag

Sterbehilfe: Zuwendung erfahren

Dtsch Arztebl 2006; 103(22): A-1526 / B-1300 / C-1252

Klinkhammer, Gisela

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Jörg-Dietrich Hoppe: Für die deutsche Ärzteschaft ist Töten von Patienten tabu.
Jörg-Dietrich Hoppe: Für die deutsche Ärzteschaft ist Töten von Patienten tabu.
Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer lehnt aktive Euthanasie kategorisch ab.

Es gibt kein einklagbares Recht auf aktive Sterbehilfe.“ Das sagte Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe auf der Eröffnungsveranstaltung des 109. Deutschen Ärztetages am 23. Mai in der Magdeburger Stadthalle. Damit reagierte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer auf Forderungen des Rechtsphilosophen und Strafrechtlers Prof. Dr. phil. Reinhard Merkel, der sich kürzlich auf dem Internistenkongress in Wiesbaden für eine Freigabe von aktiver Euthanasie (Tötung auf Verlangen) und eines von Ärzten assistierten Suizids in bestimmten Situationen ausgesprochen hatte. Damit vertrete Merkel zwar eine Minderheitenposition, diese werde aber zunehmend offener vorgetragen, sagte Hoppe. Das zeige auch
der Vorstoß des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch zur Legalisierung der Euthanasie.
Merkel habe seine Forderungen nach Zulassung der Euthanasie explizit an die Ärzteschaft adressiert. Er hatte die Bundes­ärzte­kammer aufgefordert, „ihren Widerstand gegen die standesethische Akzeptanz des assistierten Suizids endlich aufzugeben“. Dazu Hoppe: „Ich hätte Herrn Merkel schon etwas mehr Sorgfalt in der Recherche zugetraut. Er hätte sich nur die Beschlüsse vergangener Ärztetage anschauen müssen, dann wüsste er: Für die deutsche Ärzteschaft ist Tötung von Patienten, und dazu gehört auch der assistierte Suizid, tabu. Und dabei bleibt es auch!“
In den Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung aus dem Jahr 2004 habe die Bundes­ärzte­kammer verdeutlicht, dass Maßnahmen zur Verlängerung des Lebens in Übereinstimmung mit dem Willen des Patienten unterlassen oder nicht weitergeführt werden könnten, wenn diese nur den Todeseintritt verzögerten und die Krankheit in ihrem Verlauf nicht mehr aufgehalten werden könne. Weil bei Sterbenden die Linderung des Leidens im Vordergrund stehen könne, dürfe eine möglicherweise dadurch bedingte unvermeidbare Lebensverkürzung hingenommen werden. Die ärztliche Verpflichtung zur Lebenserhaltung bestehe daher nicht unter allen Umständen. Daraus könne aber nicht abgeleitet werden, dass der Patient das Recht habe, getötet zu werden.
Angemessene Schmerztherapie und menschliche Zuwendung
Unheilbar kranke Menschen könnten ihr Leben bis zuletzt als lebenswert empfinden, wenn sie professionell betreut werden, Zuwendung erfahren und nicht allein gelassen werden. „Daran sollten wir wider alle Versuchungen des Zeitgeistes festhalten“, forderte Hoppe. Der Deutsche Ärztetag unterstrich dies in einem einstimmigen Beschluss: „Statt eines Tötungsangebotes muss ärztliche und pflegerische Aufgabe sein, die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen bis zuletzt zu erhalten.“ Eine angemessene Schmerztherapie und die menschliche Zuwendung für die von Leiden, Krankheit und Behinderung Betroffenen müssten daher vorrangige gesellschaftspolitische Aufgabe sein. Dies erfordere eine flächendeckende palliativmedizinische Versorgungsstruktur durch den Auf- und Ausbau von Palliativstationen, stationären Hospizen und ambulanten Hospiz- und Palliativstationen. Eine bedarfsgerechte spezialisierte Palliativversorgung müsse durch eine gesetzliche Regelung abgesichert werden, und die dafür erforderlichen Mittel müssten bereitgestellt werden. Hoppe begrüßte diesen Antrag als „Rückendeckung für den Juristentag“. Gisela Klinkhammer
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