ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2006Mutterpass: HIV-Eintragung dringend erforderlich
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Foto: Caro
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Der Vorteil einer strukturierten Schwangerenvorsorge seit Einführung des Mutterpasses steht außer Frage. Ein Update ist jedoch zu den Themen Gestationsdiabetes, Toxoplasmose und HIV dringend erforderlich . . . Die dem Robert Koch-Institut jährlich gemeldeten 20 bis 30 konnatalen Toxoplasmosefälle stellen nur die Spitze des Eisbergs dar. Hierbei handelt es sich um schwer erkrankte Kinder. Eine weitaus größere Zahl von Kindern (mit erheblicher Dunkelziffer) wird aber erst im Kleinkindalter mit Sehstörungen bei Ophthalmologen vorstellig . . . Da der Mutterpass im Gegensatz zu Röteln, Chlamydien, Lues und Hepatitis B für HIV keine gesonderte Eintragung vorsieht, unterliegen nach wie vor Frauenärzte/Frauenärztinnen dem Irrglauben, die HIV-Thematik sei in den Mutterschaftsrichtlinien nicht berücksichtigt und in der Schwangerschaft allenfalls eine IGeL-Leistung. Laut Mutterschaftsrichtlinien: „ . . . soll sich die Beratung der Schwangeren jedoch auch auf die Risiken einer HIV-Infektion bzw. Aids-Erkrankung erstrecken. Bei jeder Schwangeren sollte entsprechend den Richtlinien zu einem möglichst frühen Zeitpunkt aus einer Blutprobe nach Zustimmung der Schwangeren gegebenenfalls ein HIV-Test durchgeführt werden.“ Dieser Test ist eine Kassenleistung. Weiter heißt es: „Entsprechend den derzeit gültigen Mutterschaftsrichtlinien wird die Aids-Beratung und die sich gegebenenfalls daran anschließende HIV-Untersuchung nicht im Mutterpass dokumentiert.“ Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Eine gesonderte Eintragung im Mutterpass zur HIV-Aufklärung und zum gegebenenfalls durchgeführten Test ist zum Schutz des Kindes und des Kreißsaalteams zu fordern. Die deutliche Zunahme der HIV-Erstdiagnosen im Jahr 2005 in Deutschland und die Ausbreitung der HIV-Infektion in den osteuropäischen Nachbarländern fordern eine Konsequenz in der Schwangerenvorsorge . . . Dem HIV-Register des Robert Koch-Institutes Berlin wurden im Jahr 2004 genau zwölf HIV-infizierte Kinder gemeldet, die nach 2001 in Deutschland geboren wurden. Lediglich in einem einzigen Fall war das Versagen einer fachgerecht durchgeführten Prophylaxe für die Infektion verantwortlich. In den anderen Fällen wurden HIV-Tests nicht oder zu spät durchgeführt bzw. trotz Kenntnis der HIV-Infektion eine leitliniengerechte Prophylaxe nicht oder zu spät eingeleitet . . . Die Daten aus HIV-Ambulanzen für Kinder sehen ähnlich aus: Bei fast der Hälfte aller dort betreuten HIV-infizierten Kinder war die Mutter während der Schwangerschaft nicht auf HIV getestet worden, bei knapp einem Drittel waren aus dem positiven HIV-Test nicht die richtigen Konsequenzen gezogen und keine adäquate Therapie eingeleitet worden . . .
Dr. med. Matthias Beichert, Rahnfelsstraße 12 a, 68163 Mannheim
Dr. med. Bernd Buchholz, Universitätskinderklinik Mannheim, Theodor-Kutzer-Ufer 1–3, 68135 Mannheim
Dr. Ulrich Marcus, Robert Koch-Institut, Nordufer 20, 13353 Berlin
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