ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2006Gesundheit zwischen Statistik und Politik. Beiträge zur politischen Relevanz der Gesundheitsberichterstattung

BÜCHER

Gesundheit zwischen Statistik und Politik. Beiträge zur politischen Relevanz der Gesundheitsberichterstattung

Dtsch Arztebl 2006; 103(22): A-1558

Kuhn, Joseph; Busch, Rolf

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Gesundheitspolitik: Sisyphusarbeit
Joseph Kuhn, Rolf Busch (Hg.): Gesundheit zwischen Statistik und Politik. Beiträge zur politischen Relevanz der Gesundheitsberichterstattung. Mabuse-Verlag, Frankfurt/Main, 2006, 292 Seiten, 24,80 €
In dem Buch äußern sich Gesundheitswissenschaftler, Akteure der Gesundheitsberichterstattung und Gesundheitspolitiker zur Gesundheitsberichterstattung. Dies geschieht auf eine ungewöhnlich selbstkritische und unorthodoxe Art und Weise. Es wird ein Fazit gezogen, wie erfolgreich Gesundheitsberichterstattung in der Bundesrepublik Deutschland ist. Die Forderung nach „politischer Relevanz“ der Gesundheitsberichterstattung wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. So wird in einem historischen Abriss dargestellt, wie der Niedergang der Sozialmedizin und der Missbrauch der Medizinalstatistik im Dritten Reich nach dem Krieg die Verbindung zwischen Medizinalstatistik und Gesundheitspolitik und damit die Etablierung einer Gesundheitsberichterstattung für lange Zeit verhindert hat.
Der Aufbau einer Gesundheitsberichterstattung in Deutschland in den 1970er-Jahren hatte dann zum Ziel, Gesundheitswissenschaft als Grundlage des politischen Handelns im Sinne einer evidenzbasierten Gesundheitspolitik zu etablieren. Obwohl die Gesundheitsberichterstattung heute nachweislich das leistet, was Politiker von ihr fordern, gibt es keine einfache Kette von der Bereitstellung von Informationen zur politischen Umsetzung. Der Kampf um die Umsetzung von Gesundheitsberichterstattung in gesundheitspolitisches Handeln wird von einer der Autorinnen (Lorenz) als Sisyphusarbeit charakterisiert. Im Sinne von Camus, der Sisyphus als im Grunde glücklichen Menschen charakterisiert, ist auch das Fazit der Gesundheitsberichterstatter ein optimistisches. Die Ausführungen über die Schwierigkeiten des „nächsten Schrittes“, nämlich von der Informationsgewinnung zur Informationsvermittlung im Sinne von Politikberatung lassen die Visionen von evidenzbasierter Gesundheitspolitik auf der Grundlage von Gesundheitsberichterstattung weiter bestehen.
Der erfrischende Umgang mit Irrtümern, Erfolgen und kritikwürdigen Aspekten der Gesundheitsberichterstattung macht die Lektüre dieses Bu-
ches für Akteure der Gesundheitsberichterstattung sicherlich zum Vergnügen. Es bleibt zu hoffen, dass die Leserschaft sich nicht auf diesen Interessentenkreis beschränkt, sondern auch Leser unter Gesundheitspolitikern und anderen Nutzern von Gesundheitsberichterstattung, Ärzte selbstverständlich eingeschlossen, findet. Bärbel-Maria Kurth
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