ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2006Verhandlungen zur Gesundheitsreform: Verlängerung droht

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Verhandlungen zur Gesundheitsreform: Verlängerung droht

Dtsch Arztebl 2006; 103(23): A-1569 / B-1341 / C-1293

Rieser, Sabine

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LNSLNS Unlängst stritten in Berlin die Professoren Bernd Raffelhüschen und Karl W. Lauterbach. Der eine verlangte wie stets nach mehr Markt und mehr Eigenverantwortung im Gesundheitswesen und sagte in etwa: Fernseher sind ja auf den Druck der Verbraucher hin immer besser geworden, obwohl kaum einer weiß, wie sie funktionieren. Der andere focht erneut für staatliche Vorgaben, vielgestaltige Kosten-Nutzen-Abwägungen und erwiderte quasi: Nichts gegen Fernseher, aber wir können Patienten nicht deshalb zu intelligenten Verbrauchern erziehen, weil das Gesundheitssystem schlecht organisiert ist.
Wer hat Recht? So viel ist gewiss: Gute Fernseher haben wir. Das ist wichtig, denn die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt am 9. Juni. Wegen der strengen Kartenrationierung werden nur wenige im Stadion dabei sein. Bleiben zwei große Ungewissheiten: Werden wir Weltmeister? Und wird es jemals eine umfassende Gesundheitsreform geben?
Lauterbach verkündete Mitte Mai: „Ob es den großen Wurf gibt oder nicht, werden wir vor dem Viertelfinale sehen.“ Die ehemalige bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Stamm (CSU) ließ die „Süddeutsche Zeitung“ gerade wissen, es sei „kein Beinbruch, wenn die Eckpunkte erst im Herbst vorliegen“. Sowieso würden über die Verhandlungen „nur Wortfetzen“ mitgeteilt.
Zu diesen Fetzen zählt, dass ärztliche Honorare in Euro festgesetzt werden sollen und es angeblich sehr viel mehr Pauschalen geben soll. Gleich ließ der AOK-Bundesverband wissen, dann müsse aber eine andere Form der Budgetierung her. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Eike Hovermann wiederum hat dieser Tage betont, ausschlaggebend seien nicht Punkte oder Euro, sondern woher Geld für eine bessere ärztliche Honorierung kommen solle. „Wir führen eine völlig verdeckte Diskussion“, bemängelte er.
Das bezog er auch auf Forderungen, es solle weniger Krankenkassen und nur einen Spitzenverband für sie geben: Wenn man 50 Kassen in denselben Korsettstangen halte wie bisher, „dann ist für die das Arbeiten genau so eingeengt wie für 200“. Mit verdeckten Manövern ist seiner Meinung nach aber bald Schluss. „Die Realität wird ’s richten“, meint er. Wie im Stadion. Sabine Rieser
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