ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2006Pädophilie-Prävention: Zum Schutz der Kinder

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Pädophilie-Prävention: Zum Schutz der Kinder

Bühring, Petra

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Medienkampagne 2005 zur Suche von Probanden
Medienkampagne 2005 zur Suche von Probanden
Präventionsprojekt der Berliner Charité zeigt große Nachfrage.
Mehr als 370 Männer, die ihre pädophilen Neigungen in den Griff bekommen wollen, haben sich bislang auf den Aufruf des Instituts für Sexualmedizin der Berliner Charité gemeldet, das im Sommer 2005 mithilfe einer groß angelegten Medienkampagne Probanden für ein weltweit einmaliges Forschungsprojekt gesucht hat (siehe DÄ, Heft 24/2005). Ziel des Therapieangebotes (www. kein-taeter-werden.de) ist es, sexuellen Übergriffen auf Kinder vorzubeugen. „Der enorme Rücklauf zeigt, dass wir mit dem Thema sexuelle Abweichungen einen Nerv getroffen haben“, erklärt Prof. Dr. Dr. Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexualmedizin und Leiter des von der Volkswagenstiftung finanzierten Forschungsprojekts.
Für das Projekt kommen nur Betroffene infrage, die aus eigenem Antrieb eine Therapie machen wollen. „Es sind Männer, die darunter leiden, dass sie Kinder sexuell anziehend finden, die aber (noch) keine Übergriffe verübt haben“, erklärt Projektmitarbeiter Dipl.-Psych. Christoph Joseph Ahlers.
Von den 370 Männern, die sich anfangs aus ganz Deutschland gemeldet haben, sind 170 bisher zu fünfstündigen Interviews in die Charité gekommen, 70 davon wurden in der ersten Phase in das Primärpräventionsprojekt aufgenommen. Sie nehmen ein Jahr lang einmal wöchentlich an einer dreistündigen Gruppentherapie teil, die aus verhaltenstherapeutischen und sexualmedizinischen Elementen besteht. Auf freiwilliger Basis werden auch Antiandrogene und LHR-Analoga eingesetzt. „Die Männer reisen teilweise Hunderte von Kilometern an, was zeigt, wie groß der Leidendruck ist“, sagt Beier. „Alle hassen sich für ihre pädophilen Neigungen.“ An erster Stelle steht für ihn jedoch die gesellschaftliche Verantwortung für die Kinder, die so geschützt werden können.
Wie nötig dies ist, zeigen die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik: 2005 wurden 13 962 Fälle von sexuellem Missbrauch (versucht oder vollendet) an Kindern erfasst. Dies ist die niedrigste Zahl seit 1993. Der Anteil der Verwandten unter den Tatverdächtigen betrug 18,2 Prozent; bekannt waren den Opfern 30,7 Prozent. Sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder eines Vertrauensverhältnisses erlebten Kinder in 796 Fällen. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. PB
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