ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2006Interview: Austritt aus dem Hausärzteverband
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LNSLNS Die Selbstdarstellung der Führungsspitze des Deutschen Hausärzteverbandes kann nicht unwidersprochen bleiben. Die Verfolgung eigener machtpolitischer Interessen in gesundheitspolitisch schwierigsten Zeiten ist verwerflich. Gerade solidarisieren sich fachübergreifend zehntausende Ärzte, um für eine bessere Patientenversorgung unter besseren Arbeitsbedingungen zu demonstrieren, da versucht ein einzelner Verband, die vermeintliche Gunst der Stunde für sich zu nutzen und eigene Machtstrukturen zu etablieren. Ob Sympathien unter in der Gesundheitspolitik gerade Aktiven aus dem Köln-Aachener-Raum ausreichen, um eine gesamtdeutsche Optimierung der Patientenversorgung zu erreichen, erscheint zumindest fraglich. Der Hausärzteverband lässt jedoch ein klares Kalkül erkennen. Zunächst wurden eine eigene Vertragsgemeinschaft und ein eigenes Fortbildungsinstitut gegründet, um dann mit verschiedenen Krankenkassen bundesweit (Barmer) oder landesweit (z. B. AOK) verschiedene juristisch umstrittene Verträge nach § 140 abzuschließen und den Vertragsmitgliedern die 1-Prozent-
Anschubfinanzierung wieder auszuschütten. Mittel- und langfristig werden die Hausärzte damit aber dem Diktat der Krankenkassen ausgeliefert, da Marketing und Kosten-Controlling ganz im Vordergrund der Kasseninteressen stehen und damit die hausärztliche Ethik geopfert werden wird. Dem Hausärzteverband schweben große apparativ bestens ausgestattete Versorgungszentren mit Pflichteinschreibung der Patienten und fester pauschaler Vergütung vor, die von einer Hausarzt-KV mit eigener Vertragsgesellschaft betreut werden. Als Hausärztin mit Leib und Seele habe ich daher den einzig möglichen Schritt vollzogen, aus dem Hausärzteverband auszutreten und mich meinen Patienten umso mehr individuell zu widmen. Denn alle Managed-Care-Projekte haben bisher gezeigt, dass das sensible Arzt-Patienten-Verhältnis nicht durch Kasseninteressen beherrscht werden darf.
Dr. med. Susanne Blessing, Gartenstraße 11, 72074 Tübingen
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