ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2006Die beste Medizin: Neutrale und fundierte Analyse
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LNSLNS Non ex oriente lux sed ex theologia! Wer hätte gedacht, ausgerechnet von einem Theologen einen so erleuchteten und erleuchtenden Artikel über Priorisierung in der Medizin zu lesen. Solche Erörterungen kamen sonst von Epidemiologen, Betriebswirten, Volkswirten, Juristen oder Ähnlichen. Ich hatte mir in den letzten Jahren abgewöhnt, von der Theologie relevante und realitätsnahe Erörterungen zu den gewandelten gesellschaftlichen Umständen zu erwarten. Umso mehr freut es mich, aus dieser Richtung eine so neutrale und fundierte Analyse zu lesen. Nur seine Bemerkungen über Psychotherapien, Kuren und Massagen, von denen er auf lange Sicht Entlastungen der Krankenversicherung erwartet, sollten noch einmal überdacht werden. Kuren gibt es weltweit (fast) nur in Deutschland und Österreich. Deren Fehlen scheint den Gesundheitszustand der übrigen Weltbevölkerung nicht wesentlich zu beeinträchtigen. Zu diesen Themen sollten prospektive Studien angelegt werden, da die viel beschworene Evidenzbasis hier fast völlig fehlt und von Politik und Kassen merkwürdigerweise bisher auch nicht eingefordert wird. Wenn es also in der nächsten Zeit um die in angelsächsischen Ländern schon lange selbstverständliche Frage geht, wie man mit möglichst wenig Ressourcen (vulgo Geld) möglichst viel Gesundheit schafft und welche Dinge in der Prioritätenliste nach hinten gerückt werden müssen, sollte man zu allen Themenkreisen Evidenzbasierung fordern und nicht aus ideologischen Gründen einige Bereiche ausklammern. Man sollte Professor Rosenberger statt des Juristen Hess (vorher Jung) zum Vorsitzenden des Gemeinsamen Bundesausschusses Ärzte – Krankenkassen machen.
Dr. Tilo Gutzeit, Bayerischer Platz 9, 10779 Berlin

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