ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2006Die Sportmedizin der DDR. Eine eigenständige Fachrichtung der klinischen Medizin

BÜCHER

Die Sportmedizin der DDR. Eine eigenständige Fachrichtung der klinischen Medizin

Dtsch Arztebl 2006; 103(23): A-1604

Strauzenberg, Stanley Ernest; Gürtler, Hans

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Medizingeschichte: Subjektive Eindrücke
Stanley Ernest Strauzenberg, Hans Gürtler: Die Sportmedizin der DDR. Eine eigenständige Fachrichtung der klinischen Medizin. Ein Zeitzeugenbericht führender Sportmedizinerinnen und Sportmediziner der DDR aus den Jahren 1945 bis 1990. Saxonia Verlag, Dresden, 2005, 278 Seiten, kartoniert, 24,90 €
Eine Aufarbeitung der Geschichte und der Errungenschaften der Sportmedizin in der DDR stand bisher aus. Nach der Wiedervereinigung wurden viele Einrichtungen der praktischen und wissenschaftlichen Sportmedizin „abgewickelt“, ohne Rücksicht darauf, dass hier wegweisen-
de Einrichtungen geschaffen wurden, so beispielsweise der vorbildliche sportmedizinische Dienst. Diese Einrichtungen waren und sind nach wie vor richtungweisend, wenngleich zwar andere Länder, nicht jedoch die deutsche Politik diese wirksamen Möglichkeiten zur effektiven Prävention übernommen haben.
Es ist sicher ein Verdienst der Autoren, wichtige Entwicklungen und Errungenschaften der Sportmediziner festzuhalten und zahlreiche historische Fakten zu dokumentieren. Das Buch ist von subjektiven Eindrücken und Erfahrungen geprägt, jedoch mit Literatur- und historischen Zitaten belegt. Mit Recht bezeichnen die Autoren diesen Bericht als Zeitzeugenbericht. Es wird Aufgabe eines historisch interessierten Me-
diziners sein, diese Daten zu prüfen und im Rahmen der Geschichte der Sportmedizin vollständig darzustellen.
Für den Außenstehenden ist es beeindruckend, welche hervorragenden Infrastrukturen für die sportmedizinische Betreuung geschaffen wurden, und zwar für den Breitensportler, den Patienten und den Leistungssportler. Es bestanden zahlreiche Lehrstühle für Sportmedizin, der Facharzt wurde eingeführt, und der manuellen Medizin kam ein sehr hoher Stellenwert zu. Die Erkenntnisse der Trainingswissenschaft waren hochwissenschaftlich.
Die übereilige und kurzsichtige Schließung vieler sportmedizinischer Institute und Einrichtungen (wie auch in den alten Bundesländern nach der Wende) hat hier wie dort eine effektive Weiterarbeit massiv behindert. Wenn die deutsche Sportmedizin bald ihr 100-jähriges Bestehen feiern wird, muss auch über die Weiterentwicklung diskutiert werden, wenn die Prävention den angeblichen hohen Stellenwert behalten soll.
Dieses Buch belegt in eindrucksvoller Weise, dass die Sportmedizin in der DDR einen hohen wissenschaftlichen Leistungsstand in Prävention, Rehabilitation und Leistungsmedizin hatte. Allerdings wird man dem Kapitel Doping noch einiges hinzufügen müssen. Sicher aber war, dass Doping nur einen kleinen Teil der Sportärzte der DDR betroffen hat.
Für jeden, der sich für die Medizin in der ehemaligen DDR interessiert, ein sehr lesenswertes Buch. Herbert Löllgen
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