ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2006Psychische Störungen: Suchterkrankungen frühzeitig erkennen
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LNSLNS Der Argumentation in dem Artikel stimme ich grundsätzlich zu. Aus meiner Perspektive der Suchtkrankenversorgung hätte ich mir die Einbeziehung der substanzbezogenen (ICD-10: F1-)Störungen – als nach den affektiven, den Angst- und den somatoformen Störungen am weitesten verbreitete psychische Störungen – in Ihre Überlegungen gewünscht. Die F1-Störungen fordern allein in Deutschland mehr als 150 000 Todesfälle (allein Tabak- und Alkoholabhängigkeit) jährlich und sind für eine hohe Zahl von gesundheitlichen Folgeerkrankungen und sozialen Problemen sowie für Frühberentungen und verminderter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verantwortlich. Trotz differenzierten Ausbaus eines eigenständigen Suchthilfesystems in Deutschland (Suchtberatungsstellen, Suchtfachkliniken, Fachabteilungen an psychiatrischen Krankenhäusern, Selbsthilfegruppen) haben substanzbezogene Störungen in Deutschland mit 29,0 Prozent die niedrigste Behandlungsquote von allen verbreiteten psychischen Störungen (Wittchen, H.-U., Jacobi, F. [2002]. Die Versorgungssituation psychischer Störungen in Deutschland). Die Suchtkrankenversorgung krankt u. a. an der unzureichenden Vernetzung mit dem übrigen medizinischen Versorgungssystem, was auch unter dem Gesichtspunkt der hohen Komorbiditätsrate der F1-Störungen mit anderen psychischen Störungen (am häufigsten mit affektiven und Angststörungen) und somatischen Folgeerkrankungen als ungünstig erscheint. Dabei können Suchterkrankungen erfolgreich behandelt werden; wünschenswert wäre auch bei diesen Störungen, sie könnten zu einem früheren Erkrankungszeitpunkt erkannt und (dann meist weniger aufwendig) behandelt werden . . .
Dipl.-Psych. Michael Müller-Mohnssen, Versorgungsbereich Sucht der Zentren für Psychiatrie Südwürttemberg, Zentrum für Psychiatrie Weissenau, Weingartshofer Straße 2,
88214 Ravensburg
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