ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2006Genderforschung: Geschlecht beeinflusst die Diagnose

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Genderforschung: Geschlecht beeinflusst die Diagnose

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LNSLNS US-amerikanische Forscher haben untersucht, durch welche Informationen Diagnosestellungen beeinflusst werden. An der Studie nahmen 99 Psychiater und Psychologen teil. Sie sollten sich mit acht Fallstudien beschäftigen, in denen weibliche und männliche Patienten mit anti-
sozialer und/oder histrionischer Persönlichkeitsstörung beschrieben wurden. Dabei wurde auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis geachtet. Die Probanden erhielten zu jeder Fallstudie zunächst Informationen über Alter, Geschlecht und Familienstand des Patienten. Dann wurden ihnen am Computerbildschirm die einzelnen Fallstudien präsentiert, und zwar Satz für Satz. Nach jedem Satz sollten die Probanden anhand der verfügbaren Informationen eine Diagnose abgeben. Durch diese Vorgehensweise erhofften sich die Forscher Rückschlüsse darauf, welche Aspekte aus den Fallbeispielen die Diagnosen beeinflussten. Dabei stellte sich heraus, dass die Probanden bei Fallstudien, in denen ein weiblicher Patient beschrieben wurde, eher eine histrionische Persönlichkeitsstörung vermuteten, wohingegen sie bei Fallstudien mit männlichen Patienten häufiger die Diagnose „antisoziale Persönlichkeitsstörung“ stellten. Die Forscher deuten diesen Befund als Wahrnehmungsverzerrung, der durch das Wissen um das Geschlecht zustande kommt. Dieses Wissen beeinflusste offenbar nicht nur die Deutung von Informationen, die für die Diagnose relevant waren, sondern auch von sekundären Aspekten, die klinische Bedeutung hatten, wie etwa die Familiengeschichte. ms

Flanagan E, Blashfield R: Gender acts as a context for interpreting diagnostic criteria. Journal of Clinical Psychology 2005; 12: 1485–98.

Elizabeth H. Flanagan, Yale Program for Recovery and Community Health, Dep. of Psychiatry, Yale School of Medicine, 319 Peck Street, Erector Square 6W Suite #1C, New Haven, CT 06513, E-Mail: elizabeth.flanagan@yale.edu
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