ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Prävention: Liberales Unwohlsein

SEITE EINS

Prävention: Liberales Unwohlsein

Dtsch Arztebl 2006; 103(24): A-1633 / B-1397 / C-1349

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Hat jeder das Recht auf seine subjektive Lebensplanung oder ist es Aufgabe des (Wohlfahrts-)Staates, den Bürgern feste Gesundheitsziele vorzuschreiben? Beim Blick auf die vielfältigen Bemühungen um präventive Gesund­heits­förder­ung gehen die Meinungen weit auseinander. Mit einem Präventionsgesetz will das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium nach wie vor die Prävention als vierte Säule im Gesundheitswesen verankern – so Staatssekretär Klaus Theo Schröder auf dem Interdisziplinären Kongress „Junge Naturwissenschaft und Praxis“ der Hanns Martin Schleyer-Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung in Köln. Diese Umstellung des Gesundheitssystems sei von zentraler Bedeutung; notwendig seien klar definierte Präventionsziele für einen überschaubaren Zeitraum. Mit dem Setting-Ansatz wolle man „die Leute dort abholen, wo sie sich befinden“.
Für eingefleischte Liberale haben staatliche Vorgaben bei der Prävention nur dann eine Berechtigung, wenn das Allgemeinwohl gefährdet ist. So kann man auch nach liberalem Credo für eine verpflichtende Masernschutzimpfung plädieren, wenn sicher ist, dass man mit der Impf-Verweigerung nicht nur sich selbst, sondern auch andere schädigt. Gehe es aber allein um das eigene Wohlergehen, sei der Sachverhalt ein anderer, argumentierte der Dortmunder Wirtschafts- und Sozialstatistiker Walter Krämer und wandte sich gegen die „Zwangsbeglücker“ unter den Politikern. Einen für jeden verpflichtend vorgeschriebenen „Gesundheits-Check“ lehnt er als einen ersten Schritt in den medizinischen Überwachungsstaat ab. Auch müsse heute der ökonomische Zusatznutzen von verstärkten Präventionsanstrengungen als ungesichert gelten. Und zudem mache
gesundheitsfördernde Prävention – anders als oft vollmundig behauptet – durchaus keinen Spaß, verlange sie doch zunächst einmal Verzicht ab.
Aus seiner Praxis weiß Ulrich Weigeldt, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zu berichten, dass die Patienten heute besser informiert und eher bereit sind, Eigenverantwortung zu übernehmen. Bildung sei eine entscheidende Voraussetzung für ein gesundheitsbewusstes Verhalten. Gemeinsam mit dem Setzen richtiger Anreize sei dies vielleicht der beste Weg zu mehr präventiven Gesundheitsanstrengungen. Thomas Gerst
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema