ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Antiphlogistika: Risikobewertung weiter differenziert

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Antiphlogistika: Risikobewertung weiter differenziert

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Eine neue Metaanalyse entwirft ein differenziertes Bild von den kardiovaskulären Risiken, die mit der Einnahme von nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAID) verbunden sind. COX-2-Inhibitoren haben nach der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2006; 332; 1302-8) kein höheres Risiko als die traditionellen NSAID – mit der Ausnahme von Naproxen, das nicht mit einem Anstieg von kardiovaskulären Ereignissen assoziiert zu sein scheint. Die renommierten Metaanalytiker der Universität Oxford haben insgesamt 138 Studien mit 140 000 Teilnehmern gefunden, wobei sie neben öffentlichen Datenbanken auch FDA-Daten und unpublizierte Studien einiger Hersteller verwenden konnten. Die Diskussion war durch die Rücknahme des selektiven COX-2-Inhibitors Rofecoxib (Vioxx®) im September 2004 ausgelöst worden. In der Folge gerieten auch andere COX-2-Inhibitoren und schließlich die gesamte Gruppe der NSAID in den Verdacht, das kardiovaskuläre Risiko zu erhöhen.

Nach den von Colin Baigent von der Universität Oxford und Mitarbeitern vorgestellten Daten ergibt sich folgendes Bild: Die Einnahme von COX-2-Inhibitoren erhöht das Risiko von schweren kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall um 42 Prozent (Rate Ratio 1,42; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,13–1,78). Dabei gab es keine signifikante Heterogenität unter den Studien. Anders ist dies bei den NSAID. Da diese Mittel ursprünglich zur Behandlung kurzfristiger Schmerzen entwickelt wurden, gibt es kaum Daten zum langfristigen Einsatz. Die Erkenntnisse stammen großenteils aus den Studien zu COX-2-Inhibitoren, in denen NSAID die Vergleichssubstanz waren. Und bei diesen Studien hing der Ausgang sehr stark davon ab, ob die COX-2-Inhibitoren mit Naproxen oder mit anderen NSAID verglichen wurden.

Ein erhöhtes Risiko von COX-2-Inhibitoren war nur mit Naproxen vorhanden, nicht aber in den Studien mit Ibuprofen oder Diclofenac. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Naproxen scheint sicherer zu sein als Ibuprofen oder Diclofenac. Die Forscher geben für Ibupofen eine (nicht signifikante) Summary Rate Ratio von 1,51 (0,96– 2,37) und für Diclofenac eine (signifikante) Summary Rate Ratio von 1,63 (1,12–2,37) an. Hochdosiertes Ibuprofen (800 mg dreimal täglich) würde also das Risiko um 51 Prozent, hochdosiertes Diclofenac (75 mg zweimal täglich) um 63 Prozent steigern. Rüdiger Meyer
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