ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1996Börsebius: Dicke Fische & Dicke Hunde

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius: Dicke Fische & Dicke Hunde

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Wer glaubt, daß Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt sei, muß sich spätestens jetzt eines Beseren (Schlechteren?) belehren lassen. Soeben verknackte das Landgericht Koblenz einen Westerwälder Unternehmer wegen seiner nach Luxemburg geflüchteten Moneten zu einer Gefängnisstrafe von 3¾ Jahren und brummte ihm überdies eine Geldstrafe von 1,3 Millionen Mark auf.
Zugegeben, der Mann war sowohl für die Strafverfolgungsbehörden wegen der hinterzogenen Steuern als auch für die Banken wegen der satten Gebühren ein dicker Fisch. Gleichwohl lassen sich aus diesem Fall, auch weil es sich um das erste Urteil aus dem Komplex "Durchsuchungen bei der Dresdner Bank" handelt, zweierlei Lehren ziehen.
Zunächst einmal muß jedermann klar sein, daß in Luxemburg angelandete Gelder keineswegs sicher sind, sie für den Eigner ganz im Gegenteil hochbrisante strafrechtliche Tatbestände darstellen können. Aus den vielen bekanntgewordenen Fällen von Bankdurchsuchungen kann nur der zwingende Schluß gezogen werden, daß sowohl Behörden als auch Gerichte äußerst resolut hinlangen und jeder Betroffene gut daran täte, sich mittels Selbstanzeige aus dem Sumpf zu ziehen, so es noch geht. Ich habe ja in den letzten 12 Monaten immer wieder auf diese Möglichkeit der Strafbefreiung hingewiesen und möchte es mit der gebotenen Dringlichkeit nochmals wiederholen.
Zum anderen rächt sich jetzt bitterlich, daß die Banken die Steuerflucht mit verführerischen Werbebotschaften geradezu förderten. Nicht, daß die Geldhäuser einen direkt aufgefordert hätten, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Das lief viel subtiler ab. Die diskreten Hinweise und die unübersehbare Präsenz "vor Ort" lockten viele Milliarden Mark nach Luxemburg, und die Geldinstitute freuten sich über die dicken Fische im Netz der Auslandstöchter. Bloß, von einer Haltung des Bedauerns ist jetzt, da die selben dicken Fische im Netz der Steuerfahnder zappeln, nicht viel zu spüren. Ich habe von keinem gehört, daß sich seine Bank bei ihm für etwaigen Steuertrouble entschuldigt habe. Gentlemanlike ist das nicht, eher ein dicker Hund. Börsebius
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