ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Arzneimittel: Der Kritik nicht gefolgt
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LNSLNS Frau Korzilius weist kritisch auf das Dilemma hin, dass die Ärzte für eine wirtschaftliche Arzneimittelverordnung verantwortlich gemacht werden, obwohl sie keinen Einfluss auf die Arzneimittelpreise haben. Es wird Ulrich Weigeldt zitiert, der sich für eine Teilung der Verantwortung zwischen Ärzten und Apothekern ausgesprochen hat. Aber die konsequente Anwendung des „Aut idem“ kommt an ihre Grenze, wenn die Regierung selber das bisherige Instrument zur Preissenkung, nämlich die Festbetragsregelung, zahnlos macht. Dies ist durch das Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in der Arzneimittelversorgung geschehen, dessen zentraler Punkt die Neuregelung der Festbetragsgruppen ist. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Dr. Hess, hat die neuen Kriterien zur Einordnung von Präparaten in die Festbetragsgruppen kritisch als ein politisches Zugeständnis bewertet. Danach soll nämlich in Zukunft nicht mehr wirkstoff-, sondern indikationsbezogen vorgegangen werden. In anderen Worten: Ein unter Patentschutz stehendes Präparat gilt auch dann noch als innovativ (und nicht als festbetragsgruppenpflichtiges Analogpräparat), wenn der Nutzen nur einer einzelnen Patientengruppe zugute kommt, sie mag auch extrem klein sein. Die Bundes­ärzte­kammer und Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft haben sich vor Verabschiedung des Gesetzes hierzu kritisch geäußert. Ihrer Kritik ist nicht gefolgt worden. Schade, denn das bei Analogpräparaten eingesparte Geld könnte der großen Zahl von Patienten zugute kommen, die tatsächlich einer echt innovativen, teuren Therapie bedürftig sind.
Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Jebensstraße 3, 10623 Berlin
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