ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Weiterbildung: Lösungsvorschlag

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Weiterbildung: Lösungsvorschlag

Dtsch Arztebl 2006; 103(24): A-1669 / B-1422 / C-1374

Sewering, Hans J.

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Zeichnung: Ralf Brunner
Zeichnung: Ralf Brunner
Mit der Neuordnung der Gebiete Allgemeinmedizin und Innere Medizin in der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung hat man beschlossen, einen „Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin“ einzuführen und den „Facharzt für Innere Medizin“ zu streichen. Stattdessen gibt es nur noch Internisten mit einem Schwerpunkt, also eine Art „Teilgebietsinternist“. Die Internisten haben sich natürlich dagegen zur Wehr gesetzt, hatten aber keinen Erfolg. Nicht nur der Berufsverband der Internisten, sondern auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin verlangen aber nachdrücklich, eine Korrektur vorzunehmen und den „Facharzt für Innere Medizin“ wieder einzuführen. Hintergrund dieses Streits war die Forderung der Allgemeinärzte, den hausärztlichen Internisten zu beseitigen. Das Motiv für diese Forderung wurde in der Karikatur sehr richtig dargestellt: Die Allgemeinärzte wollten nicht länger der „Hausarzt zu Fuß“ sein, gegenüber dem Internisten als „Hausarzt zu Pferde“. In der Karikatur ist allerdings der Internist zum Fahrer eines Rennwagens geworden . . . In der Richtlinie der EU über die gegenseitige Anerkennung der Diplome ist für den Hausarzt in der Bundesrepublik die Bezeichnung „Allgemeinarzt“ enthalten. Die neue Bezeichnung könnte also bei uns nur eingeführt werden, wenn sie in Brüssel notifiziert ist. Diese Notifizierung könnte aber nur erfolgen, wenn alle Lan­des­ärz­te­kam­mern die neue Bezeichnung beschlossen hätten. Andererseits haben aber alle anderen EU-Länder den „Facharzt für Innere Medizin“, nur in der Bundesrepublik hat man beschlossen, ihn abzuschaffen. Damit wurde ein Fachgebiet eliminiert, das von Anfang an in der Weiter­bildungs­ordnung enthalten war . . . Der Streit wäre ohne Emotionen so einfach zu lösen. Die Tätigkeit als „Hausarzt“ ist, auch nach der EU-Richtlinie, alleinige Aufgabe der „ Allgemeinärzte“. Die Internisten mit und ohne Schwerpunktsbezeichnung gehören zur Gruppe der Fachärzte, sind also keine „Hausärzte“. Im Rahmen der freien Arztwahl muss aber der Zugang zum Internisten frei bleiben. Es gehört ja zu den besten Traditionen des deutschen Gesundheitswesens, dass jeder Versicherte im Rahmen der freien Arztwahl jeden Kassenarzt, ob Hausarzt oder Facharzt, in Anspruch nehmen kann. Von der Bezeichnung her bliebe es natürlich dann beim „Allgemeinarzt“ und andererseits beim „Internisten“. Wir wären dann auch wieder in voller Übereinstimmung mit der Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Hans J. Sewering, Am Oberanger 14,
85221 Dachau
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