ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Niedrigere Mortalität bei Herzinfarktpatienten nach Befolgung von Leitlinien

MEDIZIN: Referiert

Niedrigere Mortalität bei Herzinfarktpatienten nach Befolgung von Leitlinien

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LNSLNS Je genauer Ärzte Leitlinien bei akuten Herzinfarktpatienten befolgen, desto geringer ist die Mortalität: Eine zehnprozentige Steigerung bei der Befolgung von Leitlinien reduzierte die Mortalität ebenfalls um zehn Prozent. Dies ist das Ergebnis einer großen Studie, an der 350 US-amerikanische Krankenhäuser teilnahmen.
Die Wissenschaftler unter der Leitung von Eric Peterson, Duke Clinical Research Institute, Durham, USA, untersuchten an mehr als 64 000 Patientenakten, ob die Berücksichtigung der Leitlinien zur Herzinfarktbehandlung die Mortalität beeinflusst. Das Einschlusskriterium war ein akuter koronarer Myokardinfarkt ohne ST-Strecken-Hebung. Die Bewertung der Therapie erfolgte anhand von neun Parametern. Für die Akutmedikation erfassten die Autoren, ob die Patienten Acetylsalicylsäure (ASS), Betablocker, Heparin und Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitoren erhalten hatten. Als Entlassungsmedikation wurde die Gabe von ASS, Clopidogrel, Betablockern, ACE-Inhibitoren und Lipidsenkern dokumentiert.
Von diesen Therapieempfehlungen befolgten die Ärzte durchschnittlich 74 Prozent; im Viertel mit der niedrigsten Beachtungsrate (Viertel 1) waren es 63 Prozent (59 bis 66 Prozent) im Gegensatz zu 82 Prozent (80 bis 84 Prozent) in dem Viertel der Krankenhäuser, in denen die Leitlinien am genauesten umgesetzt wurden (Viertel 4). Ältere Empfehlungen zur Medikation wurden in den meisten Kliniken beachtet, allerdings gab es zwei- bis dreifache Unterschiede hinsichtlich der Gabe von Glykoprotein-IIb/IIIa-Inhibitoren und von Clopidogrel. Darüber hinaus war im Viertel 4 die Initiierung einer Sekundärprävention 20 bis 30 Prozent wahrscheinlicher als im Viertel 1.
Die Wissenschaftler untersuchten darüber hinaus, ob bestimmte Klinikmerkmale mit einer höheren Befolgungsrate assoziiert waren. Dies stellten sie lediglich bei den Parametern „Möglichkeit zur kardialen Revaskularisierung“ und „Patient wird primär vom Kardiologen behandelt“ fest. Hingegen korrelierte die Zahl der Krankenhausbetten und die der durchgeführten Operationen sowie die Region des Krankenhauses und Lehre/Ausbildung nicht mit der Versorgungsqualität.
Die Mortalität verringerte sich bei Herzinfarktpatienten ohne ST-Strecken-Hebung von Viertel 1 zu 4 von 7,68 auf 4,32 Prozent (odds ratio: 0,77, 95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,64 bis 0,93, p <0,001). Ältere Personen, Minderheiten und multimorbide Patienten wurden tendenziell eher in Kliniken behandelt, die sich im ersten Viertel befanden und somit schlechtere Behandlungsergebnisse hatten. Diese Aspekte und andere mögliche Risikofaktoren hatten die Autoren bei der Auswertung berücksichtigt.
Um die Krankenhäuser mit der besten Patientenversorgung zu identifizieren, sollte man nach Auffassung der Autoren nicht die strukturelle Organisation der Klinik bewerten. Statt dessen sollte auf relevante Behandlungsparameter fokussiert werden, denn eine evidenzbasierte Betreuung führe zu einer erfolgreicheren Behandlung. me

Peterson ED, Roe MT, Mulgund J et al.: Association between hospital process performance and outcomes among patients with acute coronary syndromes. JAMA 2006; 295: 1912–20.

E-Mail: peter016@mc.duke.edu

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