ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997Börsebius zu Aktien: Die hohe Kunst des Verkaufs

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius zu Aktien: Die hohe Kunst des Verkaufs

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es gibt in der Geschichte der Börsen nur ganz wenige Spekulanten, die reich gestorben sind. Bernhard Baruch, im Nebenberuf amerikanischer Präsidentenberater, war so einer. Der starb schwerreich, und das meiste der Knete hat er zusammenspekuliert. Als er auf seinen phänomenalen Erfolg angesprochen wurde, sagte er schlicht: "Ganz einfach; ich habe immer zehn Prozent zu früh verkauft."
Sieh mal einer an! Welch Unterschied zu den heutigen Börsen-Assen, die immer genau zu wissen glauben, wann es denn Zeit zum Aussteigen ist. Ich bin immer wieder verblüfft, daß viele Leute meinen, man könnte "rechtzeitig" verkaufen; dann nämlich, wenn die Kurse zu fallen beginnen. Das kann allerdings so nicht klappen.
Erstens weiß man sowieso nicht, wann genau die Notierungen den Abflug beginnen, und zweitens induziert jede Welle nach unten die nächste. So wie in Ehren ergraute Börsianer wissen, daß in guten Zeiten Kurssteigerungen sich aufschaukeln ("geht Butter, geht Käse"), so gibt es eben auch kein Halten mehr, wenn der Börsenzug in die andere Richtung abdampft. Dann nährt die Baisse die Baisse.
Daß die hohe Kunst des Verkaufs naht und angemessen ist, zeigt sich im Großen wie auch im Kleinen. Daß der deutsche Aktienindex DAX beispielsweise mit einem Sprung nach oben reagiert, weil die amerikanische Arbeitslosenquote um 0,2 Prozentpunkte weniger stark als erwartet angestiegen ist, kann nur noch als Überhitzungsindiz angesehen werden. Oder aber, wenn dem Vorstand eines Unternehmens die Interessen seiner Aktionäre völlig schnuppe sind und die Kurse dieser Gesellschaft trotzdem (zu) hoch sind. So geschehen bei der Metallgesellschaft. Auf einem Analystentreffen Anfang dieses Monats strotzte der Chef des Unternehmens nur so vor Arroganz. Dafür fehlte es aber an der nötigen Transparenz der Bilanzzahlen. Dem Börsenkurs würde ich in den nächsten Monaten nicht über den Weg trauen.
Hochmut kommt bekanntlich immer vor dem Fall. Den klugen Börsianer aber zeichnet ein Quentchen Bescheidenheit aus. Und das gebietet jetzt Vorsicht. Langfristig bringt das sicher mehr. Börsebius
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