ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Gastrointestinale Karzinome: Neue Substanzen verbessern die Prognose der Patienten

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Gastrointestinale Karzinome: Neue Substanzen verbessern die Prognose der Patienten

Dtsch Arztebl 2006; 103(24): A-1699

Hoc, Siegfried

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LNSLNS Die Therapiesituation bei gastrointestinalen Malignomen hat sich deutlich verbessert. Viele Patienten haben heute eine günstigere Prognose, als dies noch vor einigen Jahren der Fall gewesen wäre. Beim kolorektalen Karzinom beendete der Topoisomerase-I-Inhibitor Irinotecan (Campto®) die Ära der alleinigen Therapie mit 5-Fluoracil (5-FU) beziehungsweise 5-FU/Folinsäure. Irinotecan ist für Patienten mit metastasiertem kolorektalen Karzinom zugelassen und in der First-line-Therapie des fortgeschrittenen Dickdarmkrebses etabliert.
Etwa die Hälfte der Patienten mit kolorektalem Karzinom entwickelt Lebermetastasen, davon sind höchstens 25 Prozent operabel. Nach Resektion überlebt nur ein Drittel der Patienten das Fünfjahresintervall, berichtete Prof. Camelo Pozzo (Rom). Eine verbesserte neoadjuvante Therapie ermöglicht es nun, viele der früher nicht operablen Lebermetastasen zu exstirpieren. Danach werden 5-Jahres-Überlebensraten von 38 bis 58 Prozent erreicht.
Fortgeschrittene Karzinome sind chemosensitiv
Besonders erfolgreich ist das Downstaging mit neoadjuvanter Chemotherapie, wie es das FOLFIRI-Schema ermöglicht. Dieses Regime besteht aus Irinotecan, 5-FU und Folinsäure. In einer prospektiven Phase-II-Studie betrug die Resektionsrate mit kurativer Absicht 32,5 Prozent bei einer Ansprechrate von 47,5 Prozent.
Noch ist nicht klar definiert, welche Lebermetastasen unresektabel sind, welche Patienten von einer Resektion profitieren und wie am Ende die Leber suffizient erhalten werden kann, da bisher alle Daten zur Chemotherapie kolorektaler Lebermetastasen retrospektiv gewonnen wurden, erläuterte Pozzo.
Metastasierte Magenkarzinome sprechen auf Oxaliplatin, Capecitabin, Taxane und Irinotecan gut an, betonte Prof. Claus-Henning Köhne (Oldenburg). Er berichtete über die Ergebnisse von vier randomisierten Studien, in denen die Therapieregime FAMTX und ELF einen Überlebensvorteil von vier bis acht Monaten für die Patienten erbrachten, gegenüber Patienten, die nach dem Prinzip „Best Supportive Care“ (BSC) behandelt wurden. Selbst die 1-Jahres-Überlebensraten erreichten mit Cisplatin-basierten Regimen noch 30 bis 40 Prozent der Patienten gegenüber zehn Prozent bei BSC – und das bei deutlich höherer Lebensqualität. Von den Cisplatin-basierten Kombinationen (wie ECF und DCF) profitieren vor allem Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom, die älter als 70 Jahre sind. Bei ihnen werden Remissionsraten von 37 bis 45 Prozent induziert mit medianen Überlebensraten von mehr als neun Monaten.
Eine besser verträgliche Alternative zu den Cisplatinhaltigen Therapieregimen bieten solche mit Irinotecan plus 5-FU. Das zeigte eine Phase-III-Studie, in der 337 Patienten entweder einmal wöchentlich sechs Wochen lang 80 mg/m² Irinotecan + 500 mg/m² Leucovorin + 2 000 mg/m² 5-FU oder aber 100 mg/m² Cisplatin (am ersten Tag) + fünf Tage lang täglich 1 000 mg/m² 5-FU verabreicht bekamen.
Die Irinotecan-basierte Kombinationstherapie bewirkte eine mittlere Überlebenszeit von neun Monaten. Gegenüber den CF-Regimen erleiden die Patienten unter IF deutlich weniger Stomatitiden, Nausea und Neutropenien. Nur die Fälle von Diarrhö sind etwa dreimal höher.
Dabei wurde beobachtet, dass die Dihydropyrimidindehydrogenase (DHD) die Toxizität von 5-FU beeinflusst. Mindestens 20 Mutationen können die Aktivität und den Spiegel des Enzyms verändern. Es hat sich gezeigt, dass ein hoher DHD-Spiegel die Ansprechrate auf 5-FU reduziert. Offenbar gibt es viele solcher dekodierenden Polymorphismen. Etwa zehn Prozent der Patienten weisen einen Carboxylesterase- oder einen UGT-1A1-28-Polymorphismus auf. Wahrscheinlich ist Letzterer für mindestens die Hälfte der schweren Toxizitäten von Irinotecan verantwortlich, da dann die Glucuronidierung eingeschränkt ist, erklärte Prof. Hansjochen Wilke (Kliniken Essen-Mitte). Die Folge seien hohe Raten an Diarrhöen und Leukopenien. Vergleichbares gelte für den Abbauweg von Platinen.
Der Forschungsbereich Pharmacogenomics fand heraus, dass Patienten mit dem Genotyp GSTP1/105Vc/C das Oxaliplatin besser metabolisieren können als andere genetische Varianten und daher auch weniger unerwünschte Nebeneffekte entwickeln. Siegfried Hoc

Symposium „Future Perspectives in the treatment of Gastrointestinal Cancer: Where do we stand – where are we going“ im Rahmen des European Multidisciplinary Colorectal Cancer Congress in Berlin, Veranstalter: Pfizer
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