ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2006Standpunkt: Große Sorge
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LNSLNS Mit wachsender Sorge muss jeder Mensch, der auf ärztliche Hilfe im Krankenhaus angewiesen ist – und wer kann sich davon frei wähnen? – den Umgang des Verhandlungsführers der Tarifgemeinschaft der Länder mit den Klinikärzten verfolgen. Wer erlebt hat, in welch hohem Maße Überleben und Heilung nicht nur vom Wissen und Können, sondern vom rechtzeitigen Erkennen und eigenverantwortlichen Handeln der Ärzte bei immer höherer Arbeitsbelastung abhängen, weiß, dass ihre Proteste berechtigt sind. Bei ihren Streiks geht es um mehr als die üblichen Verteilungskämpfe zwischen Interessengruppen. Die Ärzte machen auf Zustände aufmerksam, die nicht länger hinzunehmen sind. Dabei geht es nicht nur um die seit Jahren immer weiter hinter der allgemeinen Einkommensentwicklung zurückbleibende Bezahlung ihrer Leistungen. Es geht vor allem auch um die unaufhaltsame Lawine einer neuartigen Bürokratisierung mit Mode-Etiketten wie Disease-Management, Standardisierung und Controlling, die den Ärzten immer weniger Zeit für ihre Patienten lässt und sie zu Schreibdiensten für wachsende Heere von Beratern, Controllern und Managern verurteilt, von denen jeder ein vielfach höheres Stundenhonorar verdient als ein Klinikarzt. Wenn die Ärzte wegen immer mehr schriftlicher Zubringerdienste zur Optimierung des „Disease Managements“ keine Zeit mehr zum Gespräch mit den Patienten haben, wächst die Gefahr falscher Behandlung, die dann auch – um es im „Managerdeutsch“ zu sagen – wirtschaftlich suboptimal ist. Vordringlich ist jetzt, dass Bürger und Medien von den Ländern verlangen, der Sicherung unserer Gesundheit mehr Beachtung zu schenken. Weitere Belastungen der Patienten und Kosten der Kliniken wären unverantwortlich. Eine weitere Abwanderung von Ärzten kann für unser Land gefährlicher werden als eine Abwanderung von Investoren.
Dr. Bernhard Freiherr Loeffelholz von Colberg
Präsident des Sächsischen Kultursenats
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