ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997Gegen Vorhof- und Kammerflimmern: „Kombi“-Defibrillator erstmals implantiert

SPEKTRUM: Akut

Gegen Vorhof- und Kammerflimmern: „Kombi“-Defibrillator erstmals implantiert

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Was noch vor kurzem nur als erstrebenswertes Therapieverfahren galt, ist jetzt realisiert worden: An der Bonner Universitätsklinik wurde einer 61jährigen Patientin ein vollautomatisches Schrittmachersystem implantiert, das sowohl Kammerflimmern als auch Vorhofflimmern erkennt und bei Bedarf per Elektroschock terminiert. Es ist weltweit das erste Mal, daß dieses Prinzip klinisch eingesetzt wurde. Der "kombinierte" Defibrillator ist mit einem Gewicht von 93 g und einem Volumen von 55 cm3 nicht wesentlich größer als Geräte mit weniger komplexer Funktion. Die Elektroden sind im rechten Atrium und in der rechten Ventrikelspitze positioniert. Für die Therapiekontrolle speichert ein Mikrochip alle Arrhythmieereignisse.


Erkennen der Rhythmusstörung, Abgabe des Elektroschocks und Registrierung der Episoden zur späteren Auswertung beziehungsweise Nachjustierung erfolgen vollautomatisch. Das neue Elektroschocksystem ist die konsequente Weiterentwicklung zweier Therapieprinzipien. Fast schon als etabliert zu bezeichnen ist der Einsatz des AICD (Automatischer Implantierbarer Cardioverter Defibrillator) bei lebensbedrohlichen ventrikulären Tachykardien. Noch ist er weitgehend den Patienten vorbehalten, die bereits einen arrhythmiebedingten Herz-Kreislauf-Stillstand überlebt haben. Doch aufgrund der Ergebnisse der MADITStudie (Multicenter Automatic Defibrillator Implant Trial) wird immer häufiger auch eine prophylaktische Indikation erwogen. Dies betrifft Patienten, die zwar aufgrund einer fortgeschrittenen strukturellen Herzkrankheit ein hohes Risiko für den plötzlichen Herztod aufweisen, aber bisher noch nicht reanimiert werden mußten.


Der IAD (Implantierbarer Atrialer Defibrillator) zur Behandlung von intermittierendem, therapierefraktärem Vorhofflimmern ist dagegen ein Verfahren, das sich noch in der Erprobungsphase befindet. Auch hier gehören die Rhythmologen der Bonner Universitätsklinik - Prof. Berndt Lüderitz und Privatdozent Dr. Werner Jung - zu den Vorreitern. Sie implantierten den ersten IAD einer Patientin im Frühjahr 1996. Die Entwicklung dieses Schrittmachers beruht auf den Erfahrungen, die man mit der internen Kardioversion von Vorhofflimmern gewonnen hat. Diese Methode hat sich als erfolgreich erwiesen, wenn eine Wiederherstellung des Sinusrhythmus weder durch externe Schockapplikation gelingt noch medikamentös unter Kontrolle gebracht werden kann. Die Defibrillation erfolgt mit niedrig energetischen Stromstößen, die den Patienten relativ wenig belasten. Gabriele Blaeser-Kiel

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