ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997Arzttum: Pauschalierung rettet ärztliche Ethik

SPEKTRUM: Leserbriefe

Arzttum: Pauschalierung rettet ärztliche Ethik

Thilenius, Dietmut

Summe eines langen Arztlebens
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LNSLNS Am 1. Oktober 1996 habe ich meine Kassenarzttätigkeit als Internistin und Hausärztin wegen des Erreichens der Altersgrenze beendet. Etliche haben mich dazu beglückwünscht, noch zu einem Zeitpunkt abtreten zu können, bis zu dem ich ohne charakterliche Verbiegung mich meinen Patienten zuwenden konnte, auch Arme mit guten Möglichkeiten behandeln konnte. Ich erfuhr immer wieder Lebensfreude bei Patienten, denen ich ein Stück Weggefährte sein konnte, und mußte nicht vorrangig Leistungspunkten hinterherrennen. Die tiefsten und schönsten Berufserlebnisse hatte ich außerhalb meiner Praxisräume bei Hausbesuchen der ganz Schwachen. Ich sage deshalb, daß der Arzt, der keine Lust mehr zu Hausbesuchen hat und der Behandlung von Schwerkranken und Sterbenden ausweicht, sich selbst um viel Leben bringt und unnötige Leiden diesen Kranken aufbürdet. Das jetzige System der Leistungspunktehascherei und der Druck zu Sonderverdiensten verdirbt den Arzt als Mensch, macht ihn berufsunlustig und ist unnütz kräfteverschleißend. Dagegen hat der Arzt in Kuba ein vom Geld unabhängiges Verhältnis zu den Patienten. Die dortigen Ärzte sind Companeros der Kranken. Das tut beiden Seiten gut. Für deutsche Verhältnisse hat der bis dahin amtierende Vorsitzende der KV Hessen, Herr Dr. O. P. Schaefer, eine Honorarpauschalierung empfohlen, um ärztliche Ethik zu retten und um den Patienten gerecht zu werden. Ich wollte, er hätte Erfolg mit seinen Vorschlägen. Wie unsere Berufsausübung schön, effektiv und kostengünstig sein kann, ist in dem Buch des Neurologen Wladimir Lindenberg "Schicksalsgefährte sein", Ernst Reinhardt-Verlag, nachlesbar.
Dr. med. Dietmut Thilenius, Zum Quellenpark 46, 65812 Bad Soden
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