ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2006Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Akupunktur – Ein Modellvorhaben mit der Techniker Krankenkasse: Mängel
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LNSLNS Um heute noch eine therapeutische Methode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) anwenden zu wollen, wären sicher wissenschaftliche Forschungen erforderlich. Jedoch, dass gesetzliche Krankenkassen ausgerechnet auf dem Gebiet der alternativen Medizin medizinische Forschungen finanzieren, lässt vermuten, dass es sich bei dieser Aktion um eine Marketingmaßnahme im Kampf um heiß umworbene Kassenmitglieder handelt. So sind alle Beteiligten (Ärzte, Patienten, Gesellschaften für Akupunktur beziehungsweise für TCM, Krankenkassen) schon vorher von der Wirksamkeit der Akupunktur überzeugt.
Bei der Auswahl der Vergleichsgruppen ist eine Randomisierung allein nicht ausreichend, wenn statistische Beweise der Homogenität der Vergleichsgruppen fehlen. Was heißt „teilweise verblindet“? Es gibt keine Angaben über Art und Verteilung der „Routineversorgung“ der Patienten in den Vergleichsgruppen. Durch Fragebogenaktionen kann man vielleicht nicht bezweifelte unspezifische Effekte der Akupunktur bestätigen, aber keine objektiven Wirkungen nachweisen. Wie ungenau diese Auswertungen waren, zeigen zum Beispiel Angaben über Häufigkeiten der Nebenwirkungen. Entweder die Befragungen der Patienten durch Ärzte waren unpräzise oder Patientenangaben wurden ignoriert. Allein die Tatsache, dass trotz unterschiedlicher Stichtiefe zwischen Akupunkturgruppe und Minimalakupunkturgruppe keine signifikanten Wirkungsunterschiede festgestellt wurden, beweist die Unwirksamkeit der Akupunktur nach der TCM bei den untersuchten Diagnosen.
Die Ineffektivität des „Modellvorhabens“ wird verdeutlicht durch zwiespältige Formulierungen in der Auswertung. Einerseits wird geschlussfolgert, die Akupunktur sei eine sichere und wirksame Behandlungsmethode. Andererseits wird bestätigt, dass der Gesamteffekt der Akupunktur einen „hohen Anteil unspezifischer Effekte“ beinhaltet. Es wird betont, dass die Akupunktur „zu einer deutlichen Kostensteigerung führt“, aber dennoch durch Anwendung spekulativer Kalkulationen gefolgert, dass „somit zusätzliche Argumente für die Erstattung der Akupunktur“ durch gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rungen geliefert wurden. Genau das vermittelt die vorliegende Studie nicht.

Dr. sc. med. Klaus Richter
Salanderweg 5, 12685 Berlin

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