ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2006Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland – Ergebnisse des bevölkerungsbasierten MONICA/KORA Herzinfarktregisters 1991 bis 1993 und 2001 bis 2003: Protektion durch Hormonersatztherapie

MEDIZIN: Diskussion

Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland – Ergebnisse des bevölkerungsbasierten MONICA/KORA Herzinfarktregisters 1991 bis 1993 und 2001 bis 2003: Protektion durch Hormonersatztherapie

Wenderlein, Matthias

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LNSLNS Nach Daten des Augsburger Herzinfarkt-Registers überleben sechs von zehn Frauen den ersten Tag nach Infarkt. Die Autoren fordern mehr Prävention.
An akutem Herzinfarkt und KHK-Ereignissen (KHK, koronare Herzkrankheit) sterben pro Jahr circa 88 000 Frauen, an Brustkrebs etwa 16 000 (Mortalitätsdifferenz Faktor 5).
Die Ein-Million-Frauenstudie errechnete unter Hormonersatztherapie (HRT) 0,6 mehr Frauen mit Brustkrebs pro 10 000 Frauen in vier Jahren Beobachtung (Tumorentwicklung 10–15 Jahre).
Von der Gesamtsterblichkeit bei Frauen macht Brustkrebs vier Prozent aus, KHK 52 Prozent. Letzteres wollte die Women’s Health Initiative (WHI) klären, ohne positives Ergebnis bei HRT-Start mit 50–79 Jahren (davon die Hälfte über 63 Jahre, beziehungsweise 22 Prozent mit 70–79 Jahre = zu später HRT-Start). Hohe Hormondosen führten in 40 Prozent der Fälle zum Studienabbruch bei überwiegend nicht gesundem Kollektiv. Die Kritik am WHI-Konzept: keine Trennung zwischen Primärprävention (möglich) und Sekundärprävention (unmöglich). WHI-Nachauswertungen mit HRT-Start bei 50–59-Jährigen ergaben ein 44 Prozent reduziertes KHK-Risiko – ohne Medienecho. Gleiches gilt für eine größere und aussagekräftigere prospektive Studie, begonnen 1976 bei 35- bis 55-jährigen Frauen (NHS, Nurses Health Study). Ergebnisse dieser Untersuchung bestätigten (1) den Nutzen der HRT zur KHK-Prävention. Wenn bis vier Jahre nach Menopause mit Östrogenersatz begonnen wurde, sank das KHK-Risiko um 34 Prozent, unter Östrogen-Gestagen-Gabe um 38 Prozent. Bei altersgleichen Kollektiven mit und ohne Östrogenersatz wurde die Herzinfarktrate um 43 Prozent gemindert, unter Östrogen-Gestagen-Gabe um 51 Prozent (bei jeder vierten Frau tödlich).
Die NHS-Daten ergaben, dass eine Östrogensubstitution mit Lipidsenker-Medikation nicht mehr KHK-Nutzen brachte: 37 Prozent Risikoreduktion im Vergleich zu 35 Prozent bei ausschließlicher Östrogensubstitution. Unter Östrogen-Gestagen-Gaben war die Relation analog: 47 Prozent zu 48 Prozent.
Fazit: Eine erfolgreiche kardiovaskuläre Protektion durch HRT ist möglich, wenn bei gesunden Frauen rechtzeitig begonnen wird beziehungsweise Kontraindikationen beachtet werden.

Literatur
1. Grodstein F et al.: Journal of womens health, Vol 15, Nr 1; 2006: 35–44.

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein
Universitätsfrauenklinik Ulm
Prittwitzstraße 41–43
89075 Ulm
E-Mail: wenderlein@gmx.de
1.
Grodstein F et al.: Journal of womens health, Vol 15, Nr 1; 2006: 35–44.
1. Grodstein F et al.: Journal of womens health, Vol 15, Nr 1; 2006: 35–44.

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