ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2006Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland – Ergebnisse des bevölkerungsbasierten MONICA/KORA Herzinfarktregisters 1991 bis 1993 und 2001 bis 2003: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Herzinfarkt und koronare Sterblichkeit in Süddeutschland – Ergebnisse des bevölkerungsbasierten MONICA/KORA Herzinfarktregisters 1991 bis 1993 und 2001 bis 2003: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2006; 103(25): A-1753

Löwel, Hannelore

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LNSLNS Wir danken Herrn Prof. Wenderlein für den aktuellen Literaturhinweis zu
einem möglichen präventiven Nutzen für Frauen mit einer zeitnah zur Me-
nopause beginnenden Hormonersatztherapie (HRT). Diese Studie ist ein wichtiger Wegweiser für die weitere Erforschung der postmenopausalen Veränderungen im weiblichen Organismus. Aber mit der US-amerikanischen Nurses-Health-Studie, einer prospektiven epidemiologischen Beobachtungsstudie an 122 000 Krankenschwestern, sind keine kausalen Aussagen zum krankheitsvermeidenden Effekt einer postmenopausalen HRT zulässig. Dieser Nachweis erfordert randomisierte klinische Studien, in denen sich die zufällig ausgewählten Vergleichsgruppen nur durch das zu untersuchende Therapieregime unterscheiden.
Für den klinischen Alltag wird heute international empfohlen, über so genannte Risikoscores (Framingham, PROCAM) das innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erwartende absolute kardiovaskuläre Risiko zu berechnen (1). Ein Risiko unter zehn Prozent erfordert keine ärztlich-therapeutischen Konsequenzen, für ein mittleres Risiko von zehn bis < 20 Prozent werden konsequente Lebensstiländerungen und in Ausnahmefällen Medikamente empfohlen. Für die aus bevölkerungsmedizinischer Sicht zumeist kleine Gruppe von Frauen mit einem kalkulierten Risiko > 20 Prozent – in Deutschland sind das weniger als drei Prozent der Frauen im mittleren Alter (2) – werden aufgrund der nachgewiesenen Evidenz zusätzlich zur Lebenstiländerung medikamentöse Behandlungen mit Plättchenaggregationshemmern, Betablockern, ACE-Hemmern und Lipidsenkern empfohlen.
Die aktuelle Studienlage erlaubt nach wie vor keine generelle Empfehlung der HRT zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Daher muss die Entscheidung zur HRT für jede Frau gesondert auf der Grundlage der international abgestimmten Empfehlungen erfolgen (3). In Übereinstimmung mit der Vielzahl der epidemiologischen Studien gilt auch für Deutschland, dass die konsequente Reduktion der bekannten Risikofaktoren auch bei Frauen die größte präventive Wirkung auf die kardiovaskuläre Gesundheit erwarten lässt.

Literatur
1. Von Eckardstein A, Schulte H, Assmann G: Comparison of international recommendations for the recognition of asymptomatic high risk patients for a heart attack in Germany. Z Kardiol 2005; 94: 52–60.
2. Löwel H, Döring A, Heier M, Meisinger C, Schneider A, Kaup U, Gösele U, Hymer H: GBE-Themenheft Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt bei Frauen und Männern in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch Institut (Hrsg.) 2006 (im Druck).
3. Gohlke-Bärwolf C, von Schacky C: Stellenwert der Hormonersatztherapie zur Prävention der koronaren Herzerkrankung bei Frauen. Z Kardiol; 94 Suppl. 3: 75–80.

Dr. med. Hannelore Löwel
GSF Institut für Epidemiologie
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Von Eckardstein A, Schulte H, Assmann G: Comparison of international recommendations for the recognition of asymptomatic high risk patients for a heart attack in Germany. Z Kardiol 2005; 94: 52–60. PMID: 15668832 MEDLINE
2.
Löwel H, Döring A, Heier M, Meisinger C, Schneider A, Kaup U, Gösele U, Hymer H: GBE-Themenheft Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt bei Frauen und Männern in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch Institut (Hrsg.) 2006 (im Druck).
3.
Gohlke-Bärwolf C, von Schacky C: Stellenwert der Hormonersatztherapie zur Prävention der koronaren Herzerkrankung bei Frauen. Z Kardiol; 94 Suppl. 3: 75–80.
1. Von Eckardstein A, Schulte H, Assmann G: Comparison of international recommendations for the recognition of asymptomatic high risk patients for a heart attack in Germany. Z Kardiol 2005; 94: 52–60. PMID: 15668832 MEDLINE
2. Löwel H, Döring A, Heier M, Meisinger C, Schneider A, Kaup U, Gösele U, Hymer H: GBE-Themenheft Koronare Herzkrankheit und akuter Myokardinfarkt bei Frauen und Männern in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: Robert Koch Institut (Hrsg.) 2006 (im Druck).
3. Gohlke-Bärwolf C, von Schacky C: Stellenwert der Hormonersatztherapie zur Prävention der koronaren Herzerkrankung bei Frauen. Z Kardiol; 94 Suppl. 3: 75–80.

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