ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2006Via Sacra: Friedvolles Miteinander

VARIA: Feuilleton

Via Sacra: Friedvolles Miteinander

Dtsch Arztebl 2006; 103(25): A-1763 / B-1512 / C-1464

Wiegand, Ursula

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Foto: Rene´ Pech
Foto: Rene´ Pech
Eine neue Reiseroute verbindet auf 16 Stationen sakrale Bauten und Kunstschätze in Ostsachsen, Polen und Tschechien.

Ausgangspunkt der Via Sacra ist Zittau in der Oberlausitz, denn schon mehr als 250 000 Besucher haben seit Juni 1999 das Große Zittauer Fastentuch von 1472 bestaunt. 90 Bilder erzählen von der Erschaffung der Welt bis zum Jüngsten Gericht. Wie es aber Stadtbrände, die Nutzung als Badestubenabdekkung durch russische Soldaten und gewolltes Vergessen überdauerte, wirkt wie ein Wunder. Seit November 2005 ist auch das Kleine Zittauer Fastentuch von 1573 zu sehen, das die Kreuzigung Christi zeigt.
Nahebei liegt die Kloster- und Burganlage Oybin. Dort ließ Kaiser Karl IV. kostbare Reliquien aufbewahren, weiß Burgwart Dirk Heil. Das 1366 erbaute Ensemble ist schon lange eine romantische Ruine. Richtung Nordwesten gelangt man zur Herrnhuter Brüdergemeinde und anschließend nach Cunewalde. Dort befindet Deutschlands größte evangelische Dorfkirche. Im barocken Holzbau von 1793 fällt eine kleine silbrige Pyramide auf. Eine von rund 50 im Ort, wie Pastor Heino Groß erklärt. Am Heiligen Abend ziehen die Jugendlichen damit in die Kirche. Im tausendjährigen Bautzen war man tolerant und praktisch zugleich, wird doch der Dom St. Petri seit 1524 als Simultankirche von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt. Jede Gemeinde besitzt ihr Portal, ihre Orgel und ihren Altar. Bei der Renovierung in den 50er-Jahren wurde jedoch das 4,50 Meter hohe Trenngitter auf einen Meter gestutzt.
Seit 1248 beten und arbeiten in der Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau 19 katholische Ordensfrauen im Alter von 24 bis 91 Jahren. Besucher können im Gästehaus übernachten. Wer von Zittau gen Süden fährt, gelangt nach Tschechien und erreicht in Kürze Jablonné mit der St. Laurentiuskirche. An die prächtige, 1996 mit Staatsmitteln restaurierte Basilika schließt sich ein Dominikanerkloster an, in dem nun wieder drei Mönche leben. Gern zeigt Pater Augustin das Grab der Heiligen Zdislava im Gotteshaus. Hinter Glas sind Schädelteile erkennbar. Nach denen wurde mit Computerhilfe das Gesicht der 1252 Verstorbenen gemalt. Zu den Wallfahrten kommen viele Eltern mit Kindern, denn Zdislava gilt als Patronin der Familien.
Weit bekannter ist die Kirche Maria Heimsuchung in Hejnice/Haindorf, einst zweitwichtigstes Pilgerziel im Reich Habsburg. Pater Dr. Milos Raban deutet auf eine kleine Marienfigur über dem Hochaltar. Nach einer alten Legende hing sie der Vater einer kranken Familie auf Geheiß eines Engels in einen Baum, worauf die Seinen gesund wurden. Eine weitere Kostbarkeit ist Wallensteins Feldaltar aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Juwel aus der Wikingerzeit
Nach langer Zeit im Ausland ist Raban, der sieben Sprachen spricht, vor 15 Jahren zurückgekehrt. Zunächst sorgte er für die Instandsetzung der Kirche, die von jährlich 120 000 Menschen besucht wird. Mit EU-Geldern und Spenden hat er dann das verfallene Franziskanerkloster in ein Internationales Zentrum zur geistigen Erneuerung verwandelt. Die Gäste essen im Refektorium und schlafen in den bequem eingerichteten ehemaligen Zellen. Vom Kloster her können sie sogar nachts in die stille Kirche gelangen. Als Magnet mit jährlich 200 000 Besuchern erweist sich die norwegische Stabkirche Wang im Riesengebirge (Polen), ein Juwel der Wikinger-Architektur aus dem zwölften Jahrhundert. Kurz vor dem Abriss kaufte sie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. und ließ sie 1844 in Krummhübel, heute Karpacz, wiedererrichten. Neben dem Gotteshaus beginnt der Nationalpark mit der Schneekoppe. Nur aus Holz und Lehm, ohne jeden Nagel, durfte 1655 die Friedenskirche zum Heiligen Geist von Jawor/Jauer erbaut werden. Sie und die Schwesterkirche in Swednica/Schweidnitz sind Europas größte sakrale Fachwerkbauten und seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe.
Für ein friedvolles Miteinander zwischen Görlitz und der polnischen Stadthälfte Zgorzelec schwingt sich die erneuerte Altstadtbrücke über die Neiße. Auf der Görlitzer Seite erhebt sich die Peterskirche. Dort beginnt der Weg zum 1504 fertig gestellten Heiligen Grab. „Diese Kopie ist originaler als das inzwischen veränderte Original, ein Jerusalem in der Lausitz“, schwärmt Stadtbildpfleger Peter Mitsching. Ursula Wiegand
Kloster St. Marienstern
Kloster St. Marienstern
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