ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2006„Aus der UAW-Datenbank“: Misslungene Explantation des implantierbaren Kontrazeptivums Implanon®

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

„Aus der UAW-Datenbank“: Misslungene Explantation des implantierbaren Kontrazeptivums Implanon®

Dtsch Arztebl 2006; 103(25): A-1771 / B-1519 / C-1471

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft

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LNSLNS Implanon® ist ein gestagenhaltiges Stäbchen zur Empfängnisverhütung (Wirkstoff Etonogestrel, der aktive Metabolit von Desogestrel). Es wird subkutan an der Innenseite eines Oberarms implantiert und soll bis zu drei Jahren wirksam sein. In Deutschland wenden es circa 150 000 Frauen an (1). Die Fachinformation weist darauf hin, dass „das Implantat jederzeit auf Wunsch der Anwenderin wieder entfernt werden kann“.
Der AkdÄ wurde von einer 21-jährigen Patientin berichtet, bei der das nicht gelang. Das Stäbchen ließ sich trotz eingehender Suche mittels Palpation, Ultraschall und MRT sowie zweimaliger operativer Exploration des Oberarms (davon eine in Vollnarkose) nicht auffinden. Ein Etonogestrel-Spiegel wurde zwar nicht bestimmt, es bestand jedoch seit der Implantation eine Amenorrhoe.
Weitere Berichte über schwierige oder misslungene Versuche, Implanon® zu entfernen, liegen vor (2). Eine betroffene Ärztin schreibt: „Ich bin durch den Eingriff ungewollt sterilisiert worden!“ In der Fachinformation fehlt ein entsprechender Hinweis.
Eine Reihe weiterer, gestagenbedingter UAW sind unter Implanon® beschrieben, darunter Gewichtszunahme, Depressionen, Libidoverlust und Blutungsunregelmäßigkeiten. Auch wurden Fälle berichtet, in denen es nach inkorrekter Einlage zu ungewollten Schwangerschaften kam (3).
In mehreren Internet-Foren tauschen Frauen ihre Erfahrungen mit Implanon® aus (4, 5). Hier finden sich weitere Berichte von Frauen, bei denen Implanon® nicht lokalisiert und explantiert werden konnte, sei es im Zusammenhang mit UAW oder wegen Kinderwunsch.
Die AkdÄ empfiehlt, Implanon® nur mit großer Zurückhaltung und nur nach ausführlicher Aufklärung der Patientin anzuwenden. Der Hersteller wird aufgefordert, röntgenologisch darstellbare Implantate zur Verfügung zu stellen. Auch sollte er die Fachinformation und die für Patienten angebotenen Informationen, zum Beispiel im Internet, entsprechend der wahren Datenlage korrigieren.
Bitte teilen Sie der AkdÄ alle beobachteten Nebenwirkungen (auch Verdachtsfälle) mit. Sie können dafür den in regelmäßigen Abständen im Deutschen Ärzteblatt auf der vorletzten Umschlagseite abgedruckten Berichtsbogen verwenden oder diesen aus der AkdÄ-Internetpräsenz (www.akdae.de) abrufen.

Literatur
1. Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Leitlinie Empfängnisverhütung. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/015; letzte Aktualisierung: 14. Juli 2004.
2. Netzwerk aktuell. arznei-telegramm 2006; 36: 84.
3. Organon GmbH: Fachinformation „Implanon®“. Stand: Januar 2005.
4. Webforum „Implanon® – ein Gestagenpräparat“: http://www.gyn.de/verhuet/implanon.php3?lng. Zuletzt geprüft: 5. 3. 2006.
5. Webforum „Verhütung mit Hormonimplantat“: http://
forum.topwebmaster.net/extern/de/Cadde/topic/1845. Zuletzt geprüft: 5. 3. 2006.
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Herbert-Lewin-Platz 1, 10623 Berlin, Telefon: 0 30/40 04 56-5 00, Fax: 0 30/40 04 56-5 55, E-Mail: info@ak dae.de, Internet: www.akdae.de
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