ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Insulinanaloga, Hippo- und Psychotherapie

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Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Insulinanaloga, Hippo- und Psychotherapie

Gerst, Thomas

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Rainer Hess Foto: Eberhard Hahne
Rainer Hess Foto: Eberhard Hahne
Psychotherapie-Richtlinien werden überarbeitet. Entscheidung zu Insulin-analoga noch im Juli

Mit einer endgültigen Entscheidung über die Erstattungsfähigkeit der kurzwirksamen Insulinanaloga in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) ist am 18. Juli zu rechnen. Dies bekräftigte der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA), Dr. jur. Rainer Hess, am 20. Juni im Anschluss an die Sitzung des G-BA in Düsseldorf. Die Diskussion im G-BA zeige derzeit eine Tendenz in Richtung Verordnungseinschränkung bei Insulinanaloga mit Ausnahmeregelungen. Zu einer Festbetragsregelung werde es voraussichtlich nicht kommen. Vor der Entscheidung solle das Verfahren der Begutachtung durch das IQWiG, bei der kein Vorteil gegenüber den herkömmlichen Insulinen erkannt wurde, akribisch geprüft werden, um sich von vornherein gegen eine Kritik in diese Richtung abzusichern.
Eine Entscheidung getroffen hat der G-BA am 20. Juni jedoch über die Kriterien, nach denen künftig psychotherapeutische Verfahren zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen werden. Danach soll die Zulassung davon abhängig gemacht werden, dass eine Qualifikation für ein psychotherapeutisches Verfahren nachgewiesen werden kann, mit dem mindestens die am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen behandelt werden können, nämlich Depressionen, Angststörungen und somatoforme Störungen. Eine Methode, mit der nur eine oder zwei dieser Hauptindikationen behandelt wird, reicht nicht für eine eigenständige Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung aus, sondern könnte dann lediglich als Zusatzqualifikation auf einer breiteren Basis eingebracht werden. Auf Grundlage dieser Neuregelung soll schon bald über die Gesprächstherapie entschieden werden. An das Votum des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie der Bundes­ärzte­kammer für die Anerkennung der Gesprächstherapie als einer eigenständigen Methode sieht sich der G-BA dabei nicht gebunden, betonte Hess. Auch die bisher zugelassenen psychotherapeutischen Verfahren müssten anhand der neuen Kriterien noch einmal überprüft werden.
Abgelehnt hat der G-BA die Aufnahme der Hippotherapie (krankengymnastische Reittherapie) in den GKV-Leistungskatalog. „Es gibt keine zuverlässigen Aussagen, die den zusätzlichen Nutzen und die medizinische Notwendigkeit der Hippotherapie im Vergleich zu bereits angewandten Heilmitteln belegen“, sagte der Vorsitzende des G-BA. Als Patientenvertreter im G-BA habe er für eine Vertagung der Entscheidung plädiert, führte Dr. Martin Danner aus. Studien, die die Wirksamkeit solcher Verfahren wie der Hippotherapie belegen würden, gebe es deshalb nicht, weil kein wirtschaftliches Interesse daran bestehe. Die Patientenvertreter forderten deshalb grundsätzlich einen Geldfonds für all diejenigen Verfahren, die von der Industrie wegen ökonomischer Erwägungen nicht weiter verfolgt würden. TG
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