ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Screening auf Mukoviszidose

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Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Screening auf Mukoviszidose

Maus, Josef

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Foto: Peter Wirtz
Foto: Peter Wirtz
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung unterstützt die Forderung des Selbsthilfeverbandes Mukoviszidose e.V. auf eine frühere Diagnose und Therapie bei Neugeborenen.

Mukoviszidose soll früher diagnostiziert und behandelt werden können. Um dies zu erreichen, soll das Screening aller neugeborenen Babys auf Mukoviszidose als Leistung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) eingeführt werden. Diese Forderung stand am Ende eines Symposiums des Bundesverbandes Mukoviszidose e.V. Mitte Juni in Berlin.
„Wir unterstützen die Forderung des Mukoviszidose e.V., weil durch eine frühzeitige Erkennung nach der Geburt auch schnell eine zielgerichtete Therapie eingeleitet und somit Spätfolgen vermieden oder zumindest hinausgezögert werden können“, erklärt Ulrich Weigeldt, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Selbsthilfeverbandes und der KBV.
„Zwar ist Mukoviszidose immer noch unheilbar, jedoch zeigen Langzeitdaten aus den USA, dass wir mit einem schnellen Beginn der heute möglichen Therapie die Lebenserwartung durch eine bessere körperliche Entwicklung und eine bessere Lungenfunktion erhöhen können“, sagte Priv.-Doz. Dr. med. Manfred Ballmann von der Medizinischen Hochschule Hannover. Diese Daten haben dazu geführt, dass bereits viele Bundesstaaten der USA, Frankreich, Australien und Österreich das Neugeborenenscreening auf Mukoviszidose eingeführt haben. In Großbritannien wird dieser Schritt nächstes Jahr vollzogen.
Die ersten beiden Stufen des dreistufigen Testverfahrens werden mit dem ohnehin bereits jetzt routinemäßig entnommenen Blutstropfen des neugeborenen Kindes am fünften Tag nach der Geburt durchgeführt. Erst wenn ein biochemischer Test besonders stark von dem Durchschnitt abweicht oder wenn es Hinweise aufgrund eines genetischen Tests gibt, werden die Eltern gebeten, bei ihrem Kind einen „Schweißtest“ durchführen zu lassen. Bei Mukoviszidose ist der Gehalt an Chlorid-Ionen im Schweiß erhöht. Ist auch dieser Test positiv, ist die Diagnose gestellt.
„Ganz wichtig ist es dann, das Kind sofort einer qualitativ hochwertigen Behandlung zuzuführen“, erläuterte Manfred Ballmann bei dem Symposium. Diese ist in Deutschland in anerkannten Spezialzentren möglich. Vor einer Einführung in das Regelscreening als Leistung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung muss allerdings der Gemeinsame Bundes­aus­schuss zustimmen. Für diese Entscheidung ist neben der Zustimmung der Ärzte auch die der Krankenkassen erforderlich. „Im Sinne der Patienten appellieren wir an die Kassen, gemeinsam mit uns das Neugeborenenscreening auf Mukoviszido-se als Regelleistung der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung einzuführen“, unterstrich deshalb KBV-Vorstandsmitglied Ulrich Weigeldt.
In Deutschland leiden rund 8 000 Menschen an der genetisch bedingten Stoffwechselerkrankung, die bis heute als unheilbar gilt und mit einer erheblichen Verkürzung der durchschnittlichen Lebenserwartung einhergeht. JM
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