ArchivDeutsches Ärzteblatt8/1997Literatur: Schlechte Erinnerungen

SPEKTRUM: Leserbriefe

Literatur: Schlechte Erinnerungen

Amthor, K. Jürgen

Zu dem Leserbrief "Wer finanziert diesen Unsinn?" von Dr. med. Wilfried Heidel in Heft 3/1997
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LNSLNS Der Bewertung einer bestimmten Literaturflut durch Herrn Kollegen Heidel ist nichts hinzuzufügen; höchstens, daß die "Westärzte" auch geflutet werden.
Die Versorgung mit wissenschaftlicher Literatur aus dem "westlichen Ausland" in der DDR habe ich allerdings in schlechterer Erinnerung. Zu Beginn meiner ärztlichen Tätigkeit konnten mit Glück "westliche" wissenschaftliche Zeitschriften sogar noch privat bezogen und Ausstellungsexemplare der Leipziger Buchmesse erworben werden. Zehn Jahre später hatten Klinikchefs um den Bezug der Fachzeitschriften für ihre Kliniken zu kämpfen. Besonders um die DMW, die - wie Herr Heidel zu Recht betont - dank ihrer Zeitschriftenübersicht neben den guten Originalarbeiten und Übersichten für uns sehr wichtig war, hatten chirurgische Chefs hart zu streiten. Oft mußte wegen der Kontingentierung (sozialistisches Wort für Budgetierung) auf ihren Bezug zugunsten chirurgischer Zeitschriften verzichtet werden. Der private Bezug von Literatur aus dem "NSW" (nicht sozialistisches Währungsgebiet) war praktisch nur über Freunde oder Verwandte möglich. An größeren Kliniks- und Krankenhausbibliotheken konnte Literatur aus dem "westlichen Ausland" über die Fernleihe bezogen werden. Das Eintreffen der Bücher oder Zeitschriften dauerte aber meistens sehr lange, und die Leihfristen wurden immer kürzer. Und immer öfter trug der Leihschein den Vermerk: "Nur für den Lesesaal." Ein verständlicher, aber für Chirurgen oft problematischer Vermerk, wenn der Lesesaal nicht gerade in der Nähe der Klinik war. Ausweg: Xerographie. Diese damaligen, wenigen, riesigen Kopiergeräte waren aber durch Dauerbetrieb oft defekt. Jedenfalls wäre ohne die hilfsbereiten Damen der Kopierabteilung der Universitäts-Bibliothek in Halle meine Kenntnis chirurgischer Literatur dürftig gewesen. Wie aber ist es den Kollegen in peripheren Krankenhäusern und Polikliniken ergangen?
Dr. med. habil. K. Jürgen Amthor, In der Helba 3, 98617 Meiningen
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