ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006KV-System: KBV sollte ihre Arbeit bewerten lassen
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LNSLNS Mit Verwunderung hatte ich am 24. März die Meldung vernommen, dass Herr Köhler auf der Kundgebung in Berlin einen Ausstieg der Ärzteschaft aus dem KV-System angedroht und hierzu eine Befragung der Mitglieder angekündigt habe. Ich war verwundert, überhaupt von Herrn Köhler auf diesem Protesttag zu hören. Hatte denn die KV diesen Protest initiiert und organisiert? Nein! Hatte sie denn zu Beginn der Bewegung diese unterstützt? Nein! War Herr Köhler am 24. März denn als Redner eingeladen worden? Nein! . . . Warum jetzt so plötzlich eine Mitgliederbefragung zum KV-Ausstieg, wenn dieser doch bisher noch nie ernsthaft erwogen wurde? Auch wurde diese Option niemals ernsthaft im DÄ der breiten Ärzteschaft vorgestellt, Pro und Kontra abgewogen, rechtliche Rahmenbedingungen genannt. Lediglich die organisierten Ärzte der freien Ärzteschaft und im Medi-Verbund hatten hierüber bereits ernsthaft diskutiert und sind sogar dabei, einen flächendeckenden Ausstieg einzelner Facharztgruppen in bestimmten Regionen zu organisieren. Es ist doch klar, welches Ergebnis man in der Breite von weniger informierten und engagierten Kollegen erhalten wird, wenn man sie fragt, ob sie bereit sind, aus dem KV-System auszusteigen. Man wird ein klares Nein erhalten. Und das soll auch so sein. Denn in dem Bericht sind ja sicherlich nicht ganz ohne Bedacht zwei Szenarien ans Ende gestellt: Entweder die Politik müsse ohne KV die kassenärztliche Versorgung organisieren, und das sei nicht ganz einfach (warum eigentlich, bei den Privaten geht es doch auch ganz ohne KV?), oder aber die KV erhalte die Rückendeckung, um auch in Zukunft weiter zu wursteln. Und das ist dann ja wohl auch die Absicht. Absetzbewegungen wachsender Gruppierungen an der KV vorbei zu stoppen und sich gegenüber der Politik als einzig legaler Vertreter zu profilieren. Aber ganz so einfach ist das nicht. Wenn die KBV eine wirkliche Mitgliederunterstützung wünscht, dann sollte sie im Vorfeld erst einmal alle Kollegen über die Option eines flächendeckenden Ausstiegs aller niedergelassenen Ärzte informieren, über dessen Auswirkungen, Vor- und Nachteile. Außerdem sollte sie, um eine echte Stärkung der eigenen Position zu erhalten, auch ihre eigene Arbeit als Interessenvertretung bewerten lassen. Wenn bei einer solchen Umfrage eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder bestätigt, dass sie sich von der KBV gut vertreten fühlt und einen Ausstieg aus dem KV-System ablehnt, dann hätte man erreicht, was man erreichen möchte. Wird Herr Köhler hierzu die Courage haben? . . .
Dr. med. Armin Philipp,
Werderstraße 43, 70190 Stuttgart
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