ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006Reformdiskussion: Falscher Begriff
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LNSLNS Hiermit möchte ich auf einen grundlegenden Fehler in der Diskussion um die Kosten in der Krankenversorgung hinweisen: Es wird der falsche Begriff verwendet, denn es wird immer nur von Gesundheitssystem (-politik) gesprochen . . . Nein, es sind keine Gesunden in unserem System, sondern Kranke, und bestenfalls können wir sie behandeln und wiederherstellen. Keiner von den Ärzten, die nach Politikerterminologie im „Gesundheitssystem“ arbeiten, arbeitet dort. Sie sind in der Krankenversorgung tätig. Durch Austausch der Begriffe wird der Eindruck erweckt, dass in unserem System so etwas wie Gesundheit (Wohlbefinden, Glück) enthalten sei und wir darauf alle einen Anspruch hätten. Nein, es ist Krankheit (Leid und Schmerz, eventuell auch Tod) drin, die eventuell gelindert werden kann . . . Darüber hinaus fühlt sich jeder kompetent, beim Thema Gesundheit mitzureden. Für Krankheit, das weiß jeder, gibt es jedoch Fachleute, die das gelernt haben: die Ärzte. Durch den hingenommenen Verlust der Herrschaft über die Begriffe (Gesundheit/Krankheit) bzw. deren Manipulation durch die Politiker werden wir Ärzte unserer Kompetenz beraubt und somit auch zu einer Berufsgruppe, der dank (unterstellter) mangelnder Kompetenz in Finanzdingen von außen weitreichende Vorschriften gemacht werden kann . . . Jeder Arzt und insbesondere unsere Standesvertreter sollten das Gerede vom Gesundheitssystem nicht länger tolerieren und sofort, wenn dieser Begriff fällt, feststellen, dass die Ärzte in der Krankenversorgung tätig seien und nicht im Wellness-Gesundheitssystem . . .
Prof. Dr. Reinhard Schumacher, Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz
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