ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006Kinder-Psyche: Skyline des Lebens

VARIA: Feuilleton

Kinder-Psyche: Skyline des Lebens

Riegels, Margret

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Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
Foto: Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Marburg
Aus dem hellbläulichen unbestimmten Vordergrund (Sand, Wasser?) entspringen üppige Blumen mit roten Blüten. Ein schmaler, bräunlicher Horizont lässt die Silhouette einer Großstadt erahnen. Ein unruhiger gelber, rotwolkiger Himmel beherrscht die Stimmung.
Das Aquarell der 15-jährigen Viktoria ist ihr Einstieg in die Ergotherapie. Sie orientiert sich an einer Vorlage, und sie selbst betitelt es „gelangweilt“. Dies ist jedoch eher ihr Ausruck für Freudlosigkeit.
Viktoria entwickelte nach dem Krebstod ihres Vaters eine verlängerte Trauerreaktion, die nach häufigen Selbstmordgedanken in einen Selbstmordversuch mündete: Sie sprang aus ihrem Zimmerfenster im zweiten Stock und zog sich dabei eine Sprunggelenksfraktur zu. Anhaltende Suizidgedanken führten zur Klinikbehandlung.
Neben gereizt-aggressiven Konflikten mit ihrer Mutter war ihre gedrückte Stimmung gekennzeichnet durch Antriebs- und Lustlosigkeit und ein Erleben von Hoffnungs- und Sinnlosigkeit des Lebens. Die Realitäten des Alltags, dargestellt in einer Großstadtskyline, scheinen weit weg, die Stimmung des Himmels ist kräftig, grell und etwas bedrohlich. Dies steht im Kontrast zum Vordergrund, der Gegenwart, wo aus unbestimmtem, unfruchtbarem Grund schon hoffnungsvolle kräftige Blüten sprießen. Diese sind Ausdruck der Hoffnung, die für die 15-Jährige entstanden ist. Margret Riegels
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