ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2006Ferdinand Klinkhammer †: Tatkräftiger Verleger

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Ferdinand Klinkhammer †: Tatkräftiger Verleger

Jachertz, Norbert

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Ferdinand Klinkhammer Foto: Eberhard Hahne
Ferdinand Klinkhammer Foto: Eberhard Hahne
Dr. rer. nat. Ferdinand Klinkhammer, der frühere Geschäftsführer des Deutschen Ärzte-Verlages, ist am 14. Juni 2006 im Alter von 77 Jahren in Köln gestorben. Unter seiner Leitung hat der Deutsche Ärzte-Verlag einen unvergleichlichen Aufschwung genommen. Als er Geschäftsführer wurde, setzte der Verlag 30 Millionen DM um, bei seinem Ausscheiden rund 200. Klinkhammer war ein Verleger alten Schlages, tatkräftig und kreativ. Er nahm den publizistischen Auftrag ernst, verlor aber die wirtschaftliche Seite nicht aus dem Auge.
Dr. Klinkhammer kam 1963 zum Deutschen Ärzte-Verlag und machte eine kontinuierliche Karriere: Von der Leitung der Dokumentation und Information über die Werbeabteilung, die Anzeigenverwaltung bis zur Einzelprokura mit voller Verantwortung für alle Verkaufsbereiche. Nach dem plötzlichen Tod des Verlagsleiters, Willi B. Schlicht, der den Verlag nach dem Krieg aufgebaut hatte, wurde Klinkhammer im Oktober 1970 von den Gesellschaftern des Verlages, der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, zum Geschäftsführer berufen. Das blieb er, bis er Ende 1993 in den Ruhestand ging.
Klinkhammer ist am 16. Oktober 1928 in Krefeld geboren worden. Dort besuchte er das naturwissenschaftliche Gymnasium. Anschließend studierte er an der Universität zu Köln Biologie und Chemie, 1958 wurde er zum Dr. rer. nat. promoviert. Es folgten Jahre in der Pharmaindustrie. Studium und die medizinisch-wissenschaftliche Leitung eines Arzneimittelunternehmens prädestinierten Klinkhammer an sich nicht für die verlegerische Laufbahn. Es spricht für seine geistige Beweglichkeit, dass er sich in diesem völlig neuen Tätigkeitsbereich umfassend und schnell einarbeitete. Er wurde zum echten Verleger und baute den Deutschen Ärzte-Verlag zu einem der größten medizinischen Fachverlage Deutschlands aus, inbesondere im Zeitschriftengeschäft. Zu Klinkhammers besten Zeiten verlegte der Verlag an die 20 Zeitschriften, überwiegend ärztlicher und zahnärztlicher Provenienz. Er riskierte es aber auch, ein Literaturmagazin für Ärzte in die Welt zu setzen, ein edles Blatt, dem jedoch nur ein kurzes Leben beschieden war, aus Kostengründen.
Zu den hervorragenden Leistungen von Dr. Klinkhammer gehört der Ausbau des Buchhandelsgeschäftes. Erwerb und Ausbau der medizinischen Buchhandlungen, die unter dem Namen Lehmanns Fachbuchhandlungen firmieren, sind ihm zu verdanken. Dem Deutschen Ärzteblatt, dem Hauptobjekt des Verlages, sicherte er die Unabhängigkeit. So erkannte er frühzeitig, dass die Auftraggeber von Anzeigen Streuverluste nicht akzeptieren würden, und führte gegen manche Bedenkenträgerei den Anzeigensplit (für den Leser erkennbar an den Ausgaben A, B und C) ein. Ohne diese Maßnahme hätte das Deutsche Ärzteblatt, das sich vollständig selbst finanziert, sich nicht bis heute derart gut entwickelt.
Dr. Klinkhammer war ein Mann schneller Entschlüsse. Den Verlag, mit seinen damals 350 Mitarbeitern, führte er patriarchalisch: Er hatte ein Herz für die Mitarbeiter, mitunter aber auch harte Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat.
Die technische Revolution im Druckgewerbe hat Klinkhammer miterlebt und zu gestalten versucht. Er beharrte darauf, dass der Verlag nicht nur verlegerisch-administrativ tätig sein dürfe, sondern auch einen eigenen technischen Betrieb haben müsse. Dieser wurde fortwährend modernisiert, nicht zuletzt durch ein (heute aufgelöstes) Druckzentrum, das Klinkhammer zusammen mit einem Verlagsgebäude auf der grünen Wiese errichten ließ. Daneben baute Klinkhammer die Verbindungen zur Drukkerei L.N. Schaffrath, Geldern aus, die seit Jahrzehnten das Deutsche Ärzteblatt herstellt. Klinkhammer engagierte sich zudem als Vorstandsmitglied des Vereins der Zeitschriftenverlage in Nordrhein-Westfalen.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Verlag hat er sich aus allen verlegerischen Geschäften zurückgezogen. Er widmete sich alten und neuen Interessen, etwa seiner ursprünglichen Vorliebe für die Mykologie und ehrenamtlich dem Gehörlosenverein Euskirchen.
Ferdinand Klinkhammer starb nach kurzer Krankheit an den Folgen einer schweren Operation. Er hinterlässt Frau und drei längst erwachsene Kinder. Die Ärzteschaft hat ihn mit dem Ehrenzeichen der Deutschen Ärzteschaft ausgezeichnet, überreicht 1988 durch den damaligen Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Prof. Dr. Karsten Vilmar. Norbert Jachertz
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