ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Hypertonie: Erstmedikation: Britische Behörde gegen Betablocker

AKTUELL: Akut

Hypertonie: Erstmedikation: Britische Behörde gegen Betablocker

Dtsch Arztebl 2006; 103(27): A-1861 / B-1601 / C-1545

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Das National Institute for Health and Clinical Excellence (NICE) rät von Betablockern als Erstmedikation bei der unkomplizierten arteriellen Hypertonie ab. Die jetzt vorgestellte Leitlinie begründet diesen Schritt mit dem erhöhten Diabetesrisiko unter der Therapie und der geringeren schlaganfallpräventiven Wirkung der Betablocker. Diese gehören neben Thiaziddiuretika, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmern und Angiotensin-II-Antagonisten zu den am häufigsten eingesetzten Antihypertonika. Während die Deutsche Hochdruckliga keine prinzipiellen Unterschiede in ihren Empfehlungen macht, hat sich die British Hypertension Society (BHS) früher bereits kritisch zu Betablockern geäußert. In der aktuellen Leitlinie, die zusammen mit NICE herausgegeben wurde, heißt es nun, dass Betablocker im direkten Vergleich mit anderen Substanzen weniger gut in der Lage seien, die kardiovaskulären Folgen der Hypertonie, insbesondere aber den Schlaganfall zu vermeiden. Betablocker seien auch weniger als ACE-Hemmer oder Kalziumantagonisten geeignet, das Diabetesrisiko zu mindern. Ein erhöhtes Risiko für einen Diabetes mellitus Typ 2 sehen die britischen Hypertonologen insbesondere bei einer Kombinationsbehandlung aus Betablockern und Thiaziddiuretika.
Für ältere Patienten geben die neuen Leitlinien Kalziumantagonisten und Thiaziddiuretika den Vorzug. Bei jüngeren Patienten spreche die bisherige Evidenz eher für die Erstwahl eines ACE-Hemmers. Wenn die Patienten mehrere Medikamente benötigen, um den Blutdruck einzustellen, halten die Briten die gemeinsame Gabe von ACE-Hemmern und Kalziumantagonisten für eine „logische Kombination“.
Die neuen Leitlinien dürfen jedoch nicht missverstanden werden. NICE und BHS kennen durchaus Situationen, in denen sie zu Betablockern raten. Ein Einsatz sei erwägenswert bei Frauen im gebärfähigen Alter (wegen der im Gegensatz zu ACE-Hemmern fehlenden teratogenen Risiken), bei Patienten mit erhöhtem Sympathikotonus (wegen der negativ dromotropen Wirkung der Betablocker). Auch bei Unverträglichkeit auf ACE-Hemmer oder Angiotensin-2-Antagonisten seien Betablocker eine gute Wahl. Abgeraten wird allerdings davon, Betablocker mit Thiaziddiuretika zu kombinieren. Patienten, die derzeit mit einem Betablocker behandelt werden, wird langfristig zum Wechsel auf andere Substanzen geraten. Rüdiger Meyer
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