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LNSLNS Der Heilberuf
Zur Reflexion
Peter Gathmann, Claudia Semrau-Lininger: Der verwundete Arzt. Ein Psychogramm des Heilberufes, KöselVerlag, München, 1996, 286 Seiten, kartoniert, 38 DM
Ein Psychiater, Peter Gathmann, und eine Medizin-Journalistin, Claudia Semrau-Lininger aus Wien, machen sich grundsätzlich Gedanken zum ärztlichen Beruf, wobei sie sich den Lehren von C. G. Jung verpflichtet wissen.
Der Buchtitel meint, daß nur derjenige im eigentlichen Sinne zum Heilen berufen sein kann, der selbst eine Verwundung erlitten hat. Denn erst durch die Überwindung der eigenen Verletzung gewinnt er empathische Fähigkeiten, die über handwerkliches und technisches Wissen und Können hinaus Heilungsprozesse beim Patienten anzustoßen und in Gang zu halten vermögen.
Der Band ist in fünf Abschnitte gegliedert. Das Kapitel über den medizinischen Alltag befaßt sich unter anderem mit dem Vermeidungsverhalten in der Arzt-Patient-Beziehung und mit dem Burn-out der Helfer. Anschließend rückt das Werden des Arztes ins Blickfeld mit dem Versuch einer Persönlichkeits-Typisierung der Mediziner. Im Kapitel über Arzt und Gesellschaft werden der Verlust ganzheitlicher Betrachtungsweisen sowie die vernachlässigte Position der Frauen im Heilbetrieb beklagt. Es wird schließlich die (allerdings bisher nicht eindeutig zu beantwortende) Frage gestellt: "Was heilt eigentlich, und wer heilt wie?" Zum Schluß folgen Gedanken über Arzt und Charisma sowie über den mündigen, "erwachsenen" Patienten; träfen beide aufeinander, wären nach Ansicht der Autoren viele Probleme im gegenwärtigen Gesundheitssystem lösbar.
Das Buch enthält viele interessante und gleichzeitig überlegenswerte Gedankengänge zum Arzttum - auch aus dem Bereich der Mythologie - und lädt förmlich zum Innehalten, zu Reflexion und Selbstbesinnung ein; genau aus diesem Grunde wird es wahrscheinlich jedoch leider nicht die weite Verbreitung finden, die es verdient hätte.
Wolfgang Schweizer,Neuenmarkt
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