ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Tschernobyl: Opferzahlen der WHO
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LNSLNS Wenn Sie im Pflichtblatt der deutschen Ärzteschaft den Horrorvisionen der IPPNW Raum geben, sollte auch das Tschernobyl-Forum Erwähnung finden, in dessen Rahmen acht UN-Organisationen zusammen mit den hauptsächlich betroffenen Ländern Russland, Weißrussland und der Ukraine Konsens darüber erzielt haben, was sich heute einigermaßen verlässlich sagen lässt (Wien, September 2005). Als Folge der Katastrophe gibt es demnach 50 unmittelbar dem Ereignis zuzuschreibende und rund 4 000 insgesamt zu erwartende Tote. Keinesfalls ist mit Zehntausenden von Toten zu rechnen. Bei den Spätfällen handelt es sich um Tote infolge strahlenbedingter Krebserkrankungen, die aufgrund der Daten von Hiroshima und Nagasaki kalkuliert worden sind. Dem Ereignis zuzuschreiben sind weiter rund 4 000 Schilddrüsenkarzinome vornehmlich bei Kindern mit bisher 15 Todesfällen. Die Angaben entstammen nicht einer Studie der Internationalen Atomenergiebehörde, sondern sind der Beitrag der WHO zu der Arbeit des Forums. Bei den einschlägigen Konferenzen in Minsk und Kiew (April 2006) wurden diese Konsens-Zahlen nicht in Zweifel gezogen, wohl aber wurde geltend gemacht, dass auch viele andere Krankheiten mit der Strahlung zusammenhängen könnten. In der betroffenen Bevölkerung wurden vermehrte Fehlbildungen bei Neugeborenen nicht festgestellt, was auch für Totgeburten gelten dürfte. Abtreibungen im Zusammenhang mit Tschernobyl sind der verbreiteten und auch geschürten Strahlenangst, nicht aber der Strahlung geschuldet. Die Hunderttausende der IPPNW sind wohl eher spekulativ.
Prof. Dr. Jürgen Schütz,
Leipziger Straße 48, 10117 Berlin
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