ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Geschichte der Medizin: Utopie Rudolf Virchows

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Geschichte der Medizin: Utopie Rudolf Virchows

Dtsch Arztebl 2006; 103(27): A-1892 / B-1623 / C-1567

Bleker, Johanna

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LNSLNS Die kühne Perspektive des Kollegen Unschuld lässt erahnen, wie sich das Gesundheitswesen des 21. Jahrhunderts gestalten könnte, wenn es immer noch auf den merkantilen Nützlichkeitserwägungen absolutistischer Herrschaft des 18. Jahrhunderts basierte. Doch, gottlob, leben wir in Zeiten, in denen nicht mehr das Volk für den Staat, sondern der Staat für das Volk da ist. Was dies bedeutet, hat Rudolf Virchow bereits 1848 formuliert: „Der demokratische Staat will das Wohlsein aller Staatsbürger, denn er erkennt die gleiche Berechtigung aller an.“ Der Staat wiederum habe „das Recht zu hoffen, dass jedermann . . . sich einen Zustand des Wohlseins durch eigene Arbeit zu erringen . . . wissen werde. Die Bedingungen des Wohlseins aber sind Gesundheit und Bildung, und die Aufgabe des Staates ist es daher, die Mittel zur Erhaltung und Vermehrung von Gesundheit und Bildung in möglichst größtem Umfange . . . zu gewähren“ (Die öffentliche Gesundheitspflege. Ges. Abhandlungen, S. 15). Virchows damalige Utopie gehört heute zu den Prämissen, die bei der Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit im Gesundheitswesen zum Tragen kommen. H. A. Kick hat in seinem lesenswerten Beitrag zur unterschiedlichen Rolle von Patienten und Kunden (DÄ, Heft 18/2006) ausgeführt, dass eine humane Begründung der Limitierung medizinischer Ressourcen in ein ethisches Bezugssystem eingebettet sein muss. Der demokratische Rechtsstaat gehört dazu.
Prof. Dr. med. Johanna Bleker,
Ringstraße 30, 12205 Berlin
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