ArchivDeutsches Ärzteblatt27/2006Sexualmedizin. Grundlagen und Praxis
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Sexualmedizin: Wandel nicht erkannt
Klaus M. Beier, Hartmut A. G. Bosinski, Kurt Loewit: Sexualmedizin. Grundlagen und Praxis. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH, München, 2005, XV, 862 Seiten, 171 Abbildungen, 61 Tabellen, 50 Übersichten, gebunden, 99,95 €
Um Aspekte der Testpsychologie, Forensik und Intersexualität ist die zweite Auflage erweitert worden. Trotz solcher Erweiterungen müsste es aber eigentlich nach wie vor „Syndyastische Medizin“ betitelt werden. Denn die Herausgeber – mittlerweile sind es nur noch drei, da sich der Psychologe Uwe Hartmann zurückgezogen hat – gehen weiterhin von einem „syndyastischen Hirnsystem“ aus und sehen die Sexualität als ein biotisch weitgehend festgelegtes Geschehen an, obgleich die Menschen ohne den kulturellen Lebensprozess nicht als Menschen existierten. Der enorme kulturelle Wandel der Sexual- und Geschlechtsformen in den letzten vier Jahrzehnten wird nicht so recht zur Kenntnis genommen. Doch was verstehen die Herausgeber unter „Syndyastik“? – Nichts anderes als das, was man Paarbeziehung nennt. Sexualtherapie heißt dann folgerichtig „Syndyastische Therapie“. Und sie tun so, als seien nicht lange vor ihnen Paartherapien erfolgreich entwickelt und angewandt worden. Übergangen wird auch, dass immer mehr Menschen allein leben und dass sich sexualmedizinisch relevante Selbstpraktiken, die „Selfsex“ genannt werden könnten, kulturell seit Jahrzehnten entfalten.
Sexualmedizinisch Ausgebildete sollen unter anderem die Grundbegriffe der Genetik anwenden, die Spermiogenese darstellen, bildgebende Verfahren einschätzen, Anzeigepflichten von Geschlechtskrankheiten darlegen können. Da stellt sich der ketzerische Gedanke ein, dass dieses Können bei Allgemeinärzten, Gynäkologen, Urologen besser aufgehoben ist als bei Syndyastikern. Volkmar Sigusch
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